Beiträge des Monats Mai 2005:
|
25 Beiträge im Mai 2005
| Reisetagebuch - 01.05.2005, Mbeya (Tanzania) |
Auf meinem Communicator, meinem letzten verbliebenen, die Uhrzeit anzeigenden Instrument, blinkte 04:40 als der Wecker ging, da ich suedafrikanische bzw. zambische bzw. deutsche Zeit eingestellt habe. Als um 15 Minuten nach 6 Uhr morgens Peter an meiner Zimmertuer klopfte, war es noch dunkel. Bevor der oeffentliche Bus hinunter zum Busbahnhof fuhr, hielt er vor meinem Gasthaus an und wartete dort, bis ich fertig war.
An einem Markt ausserhalb der Stadt hielten wir laengere Zeit an, was Peter nutzte, um uns einen Chai (Tee) und ein paar Chapatis zum Fruehstueck zu organisieren. Danach fuhren wir im gleichen Bus ca. 45 Minuten weiter, um an einer recht verlassenen Strassenkreuzung auszusteigen. Im Nebel hier oben in den Bergen konnte ich keinen Vulkankrater erkennen, doch das hiess nur, dass dieser tatsaechlich einen guten Fussmarsch entfernt ist.
Die Gegend erschien zunaechst wie der Lattenberg an einem nebligen Herbstmorgen. Es war auch nicht warm, dafuer sehr feucht. An einer kleinen, komplett leeren Huette an der Abzweigung musste ich die Eintrittsgebuehr von 2.000 Shilling fuer das Gebiet zahlen, nachdem aus dem Nichts ein junger Mann herbeigerannt kam und aus einer Tuete den Quittungsblock und den Stempel herausholte, um mir einen Beleg fuer die Gebuehr zu geben zu.
Die einzigen Menschen, die wir in den ersten 3 Stunden trafen, waren 2 Jungen, die in einem Feld an dem Schotterweg, dem wir die ersten Kilometer folgten, die Kartoffelaussaat vorbereiteten. Nach etwas ueber einer halben Stunde bogen wir von dem Weg ab auf einen schmalen Pfad, dessen nasse Graeser mit der Zeit fuer nasse Fuesse bei mir sorgten. Hier wurde die Umgebung immer tropischer, bis wir schliesslich in echtem Regenwald waren, mit meterhohen wilden Bananenstraeuchern deren Blaetter eine Flaeche von mehr als einem Quadratmeter hatten.
Obwohl es den ganzen Tag nicht regnete, kam die Naesse auch von Oben, da die extrem feuchte und neblige Luft sich auf den Baeumen und Straeuchern als Tau niederliess und von Zeit zu Zeit heruntertropfte.
Bis wir am Fusse des Vulkans angekommen waren, war es ein interessanter Spaziergang. Doch dann mussten wir den Vulkankrater hinaufsteigen, was relativ anstrengend war, zumal man auf dem sehr nassen und schlammigen Untergrund immer wieder wegrutschte.
Eine gute Stunde gingen wir, mit zwei kleinen Gegengefaellen, bergauf und erreichten dann mit einer Mischung aus Schweiss und Tau auf der Stirn den Aussichtspunkt am Krater. Was ich sah, erschrak mich mehr, als das es mich beeindruckte. Eine groessere Gruppe muss wenige Tage zuvor hier gewesen sein und nach 1 1/2 Stunden ohne irgend welche Anzeichen von Zivilisation empfing uns der Aussichtspunkt mit so viel Muell, dass Peter und ich erstmal aufraeumten und dann den gesamten Muell verbrannten. So geht die Abfallbeseitigung in diesem Teil Afrikas nunmal vonstatten.
Vom Kratersee konnte ich leider ueberhaupt nichts sehen, da der Nebel hier noch dichter war, als unten. Nach der Feuerpause entschieden wir daher, den Abstieg zum Ufer zu wagen, obwohl das bei so nassen Bedingungen ein schwieriges Unterfangen sei. Und das war es tatsaechlich. Zum Glueck gab es in dem Wald viele Wurzeln, an denen man sich beim hinunterklettern festhalten konnte, doch trotzdem blieb es sehr abenteuerlich. Die kurze Strecke kostete uns 45 Minuten, bis wir am Ufer eines scheinbar nicht ganz kleinen Sees standen.
Ziemlich genau so stelle ich mir den Loch Ness in Schottland vor und es wunderte mich kaum, als Peter erzaehlte, dass auch ueber diesen See in den umliegenden Doerfern Monstergeschichten erzaehlt werden. Die einzigen Monster die wir zu Gesicht bekamen, waren jedoch 2 Enten, die ganz friedlich im Wasser herumschwammen.
Der Wiederaufstieg zum Aussichtspunkt ging etwas schneller als der Abstieg, war aber dafuer deutlich anstrengender. Obwohl Peter ein sehr hohes Tempo vorlegte, liess ich mich nicht abschuetteln und so wurden die Pausen, die er brauchte, um Wurzeln zu finden, an denen er weiter klettern kann, immer laenger. Oben hatten wir uns eine laengere Pause redlich verdient, die bei besserer Sicht wahrscheinlich noch erholsamer gewesen waere.
Der Rueckweg war noch glitschiger als der Hinweg und da es bergab ging, kamen wir nur langsam voran. Immerhin schafften wir es aber beide, ohne Sturz am Fusse des Vulkans anzukommen. Durch die Kletterei und den matschigen Rueckweg sahen meine Klamotten jedoch aus, als kaeme iich gerade von einem Kinderspielplatz mit Wasserpumpe.
Zurueck in Mbeya gingen wir in ein kleines Restaurant der unteren Preisklasse, wo wir, begleitet von einem Bollywood Streifen, Reis mit Bohnen und Sauce assen. Danach war die Tour vorbei und ich ging ins Gasthaus, um mich umzuziehen und ein paar Minuten Schlaf zu tanken. Von den 16.000 Shilling blieben fuer Peter nach Abzug aller Kosten noch ca. 12.000 uebrig, womit er fuer die hiesigen Verhaeltnisse heute sehr gut verdient hat. Allerdings kostete ihn das auch den halben gestrigen Tag, weshalb ich mich ueber den Preis nicht beschweren kann.
Am spaeten Nachmittag ging ich noch durch den Ort, der nirgendwo so richtig aufhoert. Auch der Markt, an dem wir am Morgen gefruehstueckt hatten, gehoert noch zu Mbeya. So lief ich ein ganzes Stueck durch die Stadt und hatte danach einen ungefaehren Ueberblick, zumindest was den Ortskern angeht, den man aber auch nicht wirklich eingrenzen kann.
Nach nochmal Reis, diesmal mit einem gebratenen Fisch, ging ich frueh zu Bett, las aber noch einige Zeit im Lonely Planet, um meine weitere Reiseroute zu planen. |





>> alle Fotos 01.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 02.05.2005, Mbeya (Tanzania) |
Das erste, was ich heute morgen tat, war meine gestrigen Planungen zu Makulatur zu degradieren. Ich hatte mir eine schoene Route ausgedacht, nach Kigoma am Lake Tanganyika, von dort aus weiter zum Lake Victoria und dann mit dem Zug ueber die Hauptstadt Dodoma nach Dar es Salam. Bei einem Besuch in der oertlichen Touristeninformation musste ich dann aber feststellen, dass es von hier aus durch die Southern Highlands keine Verbindung irgend einer Art zum Lake Tanganyika gibt. Also werde ich direkt nach Dar es Salam fahren und danach zumindest den Lake Victoria besuchen.
Da ich sicherheitshalber mein Zugticket fuer den morgigen lokalen Zug nach Dar bereits heute kaufen wollte und die Beschaffenheit des Ortes in den hiesigen Huegeln die Erkundung der Stadt zu Fuss nahezu unmoeglich macht, hatte ich die Idee, mir ein Fahrrad zu mieten. In der Touristeninformation konnte man mir nicht weiterhelfen, also ging ich Richtung Busterminal um einen Tout, jemanden wie Peter zu finden, der Dinge organisieren kann, fuer die man lokale Kenntnisse braucht.
Es dauerte nicht lange, bis ich angesprochen wurde. Zwar versuche ich mich immer hinsichtlich Kleidung und Verhalten nicht all zu sehr von der Masse abzuheben, irgendwie erkennen die Leute aber dennoch, dass ich nicht von hier bin. Ich denke, dass es etwas mit meiner langen Nase zu tun hat. Ich fragte jedenfalls nach einem Fahrrad und wurde von dem jungen Mann dann in einen Bus zum grossen Markt mitgenommen, wo es tatsaechlich eine Art Freiluftreparaturwerkstatt gab, bei der man sich auch Fahrraeder ausleihen konnte.
Mein Tout sagte mir, dass es nur 400 Shilling, also 35 Cent pro Stunde kostet, was trotz der technischen Maengel am Vehikel ein guter Preis fuer ein Mountainbike ist. Obwohl ich eigentlich allein rumfahren wollte, waren wir dann irgendwie zu zweit unterwegs. Ich aeusserte den Wunsch, in unsere Tour den Tazara Bahnhof zu integrieren, was kein Problem war. Wir radelten gut 3 Stunden durch den Ort und seine Vororte, ich kaufte mir am Bahnhof mein Ticket fuer morgen und wir erklommen einen kleinen Huegel, von dem aus man einen guten Ueberblick ueber das gesamte Tal hat.
Zurueck am Markt errechnete der Verleiher nur 2 Stunden und so musste ich fuer den Verleih nur 800 Shilling bezahlen, was fuer beide Fahrraeder zusammen war. Obwohl mein Tout zurueck im Ort nicht nach Geld fragte, hielt ich es fuer angemessen, ihm zumindest 3.000 Shilling fuer die Begleitung zu geben. Ein aehnliches Erlebnis hatte ich kurz spaeter nochmal, als ich mein Hosenbein naehen liess, das etwas eingerissen war, weil es sich zwischen Kette und Zahnrad des Fahrrades verfangen hatte. Auch der alte Mann an der Naehmaschine, einer von vielen hier in Mbeya, bekam von mir etwas Geld fuer seine Leistung, obwohl er keines haben wollte.
Am Nachmittag ging ich noch ueber die Maerkte im Stadtzentrum, probierte einige kleine Snacks in verschiedenen Restaurants und betrieb etwas Materialpflege. So packte ich meine Schuhe aus der Schlammkruste vom Vortag aus und faedelte neue Schnuerrbaender ein, die ich am Busbahnhof guenstig erstanden hatte, packte meinen Tagesrucksack aus und wieder ein, wobei ich feststellte, dass dieser nach 11 1/2 Monaten auf meinem Ruecken an diversen Stellen sehr duennhaeutig geworden ist und reinigte auch so gut es ging meine lange Hose, die mir hier trotz meist warmer Temperaturen angemessener erscheint, als etwas Beinfreies.
Irgendwie ging der Tag dann schnell zu Ende, obwohl ich nach der Radtour gar nicht mehr viel gemacht habe. Am Abend ging ich noch eine Runde durch die Stadt, da ich ploetztlich grossen Durst auf etwas kaltes, suesses zu Trinken hatte. Ich fand an einer Strassenecke auch noch einen Grillstand, an dem es fuer 100 Shilling gegrillte Maiskolben gab. Da konnte ich nicht widerstehen. |


>> alle Fotos 02.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 03.05.2005, Mbeya (Tanzania) |
Nachdem ich gestern Abend noch lange gelesen hatte, schlief ich heute recht lange. Ausser zum Bahnhof zu gelangen, hatte ich auch keine grossen Plaene und dort sollte ich erst um 12 Uhr Mittag sein, wie mir der Verkaeufer der Fahrkarte gesagt hatte. Zwar fuhr der Zug erst um 14.30 Uhr ab, doch musste man mir noch meine Wagon- und Abteilnummer mitteilen, weshalb ich so frueh dort sein sollte.
Nachdem ich also die 7.500 Shilling fuer 3 Naecht bezahlt hatte, ging ich in ein Restaurant an einer der groesseren Strassen, wo ich Chapati und Tee fruehstueckte, da die Eier, die ich zunaechst bestellt hatte, leider aus waren. Dafuer war der Milchtee der beste, den ich seit Verlassen des indischen Subkontinents getrunken habe. Da ich mit meinem Rucksack unterwegs war, ging ich fast ohne Umwege zu der Strassenkreuzung, an der ich die Busse zur Tazara Station vermutete.
Immerhin fand ich auf Anhieb einen Minibus, der mich zum grossen Markt fuhr und dessen Fahrer bzw. Copilot zum Herausschreien des Fahrziels und zum Einsammeln des Geldes, leitete mich dort zu einem Tazara Minibus. Dass es auch im beschaulichen Mbeya sehr hektisch zugehen kann, bekam ich auf dem turbulenten Markt einmal mehr zu spueren. Die Minibusse stritten sich heftig um jeden einzelnen Fahrgast, einer versuchte sogar mich aus dem Minibus in dem ich sass herauszulocken und in seinen umzsteigen, da dieser eher abfahren wuerde.
Ich blieb meinem Bus treu und musste nicht lange warten, bis auch wir losfuhren. So war ich bereits kurz nach 11 Uhr am Bahnhof, bekam dort meine Platzdaten mitgeteilt und wartete dort zusammen mit fast allen anderen Fahrgaesten, bis um 14 Uhr die Tueren zum Gleis geoffnet wurden. Ich werde wahrscheinlich niemals verstehen, warum in so vielen Laendern die Leute Stunden vor Abfahrt eines Zuges die Bahnhoefe bevoelkern, zumal die Karten jedem Fahrgast einen festen Sitzplatz garantieren, sodass es voellig ausreichen wuerde, 10 Minuten vor der Abfahrt dort zu sein.
So nahm ich Harper Lees "To kill a mockingbird" aus meinem Rucksack und las auch noch die letzten 3 Kapitel des Buches, womit ich nun schon das zweite Buch dieser Reise zu Ende gelesen habe. Wenn man den kleinen Prinzen mitzaehlt, sind es sogar schon 3. Zum Glueck hatte ich mir fuer die Zugfahrt eine englischsprachige Zeitung aus der Stadt mitgebracht. Denn das Dar es Salam Kapitel meines Guidebooks ist zwar interessant, aber nur die ersten 2 oder 3 mal.
Ich habe im Zugrestaurant zu Nachmittag gegessen und meine Zeitung ausgiebig studiert und zwischendurch einfach die schoene Aussicht auf die Southern Highlands genossen. Abwechslung brachten immer wieder die kleinen Orte an der Strecke, an denen der Zug hielt. Das ganze Dorf steht dann am Bahnhof um den Zug mitzuerleben. Sei es, um am regen Handel mit Kartoffeln, Tomaten und Zwiebeln durch die Zugfenster zu partizipieren, zu betteln oder einfach nur um das gesellschaftliche Grossereignis der Zugdurchfahrt mit anzusehen.
Dass dies der Regionalzug ist, merkt man nicht nur an den vielen Stopps, auch das Gepaeck vieler Fahrgaeste ist anders, als in dem internationalen Zug. Waehrend in der dritten Klasse auch viele mehr oder weniger lebendige Huehner mitreisen, begnuegen sich meine Abteilmitreisenden mit einem 50 Kilogramm Sack Kartoffeln und einem 20 Kilo Sack mit Tomaten. Einer unter ihnen fuehrt sogar, zumindest bis jetzt, lediglich eine Aktentasche mit sich.
Etwas stoerend ist die viele Hin und Her Rennerei auf dem Gang. Meist sind es die Angestellten des Restaurantwagons, die ohne Alles, mit einem Sack Tomaten oder einer leeren Kiste hier vorbeikommen, um dann 10 Minuten spaeter ohne Alles, mit dem Sack Tomaten oder der leeren Kiste wieder zurueck zu kommen. An dem Organistionsgrad des Bordrestaurants habe ich ohnehin meine Zweifel, seitdem der Kellner, bei dem ich einen Kaffee bestellte, einmal zu meinem Tisch kam, um mir die Tasse mit Untersetzer zu bringen, dann zwei Minuten spaeter wieder auftauchte und den Zucker sowie einen Loeffel vorbeizubringen und schliesslich bei seinem letzten Servierbesuch die kleine Kaffeekanne brachte.
Andererseits ist es gar nicht verkehrt, dass staendig ein Paar Mitarbeiter irgendwo im Zug unterwegs sind, da ansonsten die ersten beiden Tische des Restaurantwagons staendig besetzt waeren, da in der kleinen Kueche ueberhaupt nicht genug Platz fuer alle waere.
|

>> alle Fotos 03.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 04.05.2005, Dar es Salam (Tanzania) |
Ich bin nun in Dar es Salam. Fast erwartungsgemaess kamen wir natuerlich nicht um 14 Uhr an, sondern erst wenige Minuten vor 17 Uhr. Das genuegte jedoch, um noch ein Hotel zu finden, am Central Line Bahnhof vorbeizugehen, der anders als der Tazara Bahnhof mitten in der Stadt liegt und nicht 5 Kilometer ausserhalb und etwas die Stadt zu erkunden.
Die Zugfahrt war noch sehr interessat. Zwar hatte ich nicht mehr viel zu tun, doch dafuer wurden die Handelsgeschaefte durch die Zugfenster immer interessanter und zwischen 11 und 13 Uhr fuhren wir durch das Selous Game Reserve, einen grossen Nationalpark, von dem ich befuerchtet hatte, dass wir ihn Nachts passieren wuerden. In dem Gebiet sah ich aus dem Fenster reichlich wilde Tiere, vor Allem natuerlich viele grosse Herden Antilopen. Aber ich konnte auch einen Elefanten, zwei Herden Giraffen und eine Herde Zebras entdecken, die in Sichtweite des Zuges ihr Leben genossen.
Sonst war die Fahrt nicht aufregend. Fruehstueck und Mittagessen hatte ich im Zugrestaurant, doch die meiste Zeit sass ich im Abteil oder stand auf dem Gang und sah mir die Umgebung an. Zwar habe ich die Nacht durchgeschlafen, weshalb ich nicht ganz sicher bin, doch ich vermute, dass wir waehrend der ganzen Fahrt nicht eine einzige Stadt passiert haben. Oder der Bahnhof lag ausserhalb der Stadt, denn groessere Ansammlungen von Haeusern habe ich seit der Abfahrt nicht mehr entdecken koennen.
Nach der Ankunft in Dar suchte ich mir ein Dalla Dalla, wie die Minibusse hier genannt werden, um in die Stadt zu kommen. Ein anderer Fahrgast stieg zusammen mit mir aus und war dann so freundlich, mich zum Pop Inn Hotel zu fuehren. Da dies voll belegt war, gingen wir noch in 2 weitere Hotels, von denen mir eines zu teuer war, waehrend das zeite ebenfalls voll war. Damit musste ich ein Stueck weiter laufen, um das Holiday Hotel zu finden, das nach den beiden ausgebuchten das naechst guenstigste Hotel im Lonely Planet ist. Dort bekam ich fuer 6 EUR einen kleinen Raum mit Ventilator und Mueckennetz. Das Hotel hat einen Innenhof im 2. Stock, wo sich ein Fernseher befindet.
Um eine gewisse Orientierung zu haben, ging ich noch durch die umliegenden Strassen, bis hin zum Hafen, wo gleich mehrere Personen versuchten, mir ein Ticket fuer eine Faehre nach Zanzibar zu verkaufen. Immerhin weiss ich nun, dass die Preise und Abfahrtzeiten im Lonely Planet noch aktuell sind und dass es kein Problem sein sollte, kurz vor der Abfahrt noch Tickets zu bekommen. In der Naehe meines Hotels befinden sich gleich 2 Moscheen und auf den Strassen von Dar sieht man viele indische Gesichter, was ein wenig die Geschichte der Stadt wiederspiegelt. Auch die sehr dreckigen Strassen und vielen Strassenstaende erinnern etwas an arabische oder indische Verhaeltnisse.
Nach einem abendlichen Snack in einer indischen Teestube sah ich mir mit einem anderen Deutschen zusammen das Champions League Halbfinale zwischen Mailand und Eindhoven an. Die Bild- und Tonqualitaet hier im Hotel war dabei derart schlecht, dass wir erst bei einer Nachrichtensendung eine halbe Stunde spaeter mitbekamen, dass in der 90. Minute das 1:2 gefallen war, womit Milan ins Finale einzieht.
Andreas ist, wie Tim, der mit ihm zusammen unterwegs ist, ein Dachdecker auf der Walz. Nachdem die beiden in Namibia sehr leicht Arbeit gefunden hatten, faellt es ihnen hier schon schwerer. Als das Fussballspiel zu Ende war, weckte Andreas noch Tim auf und wir spielten bis nach 1 Uhr nachts zusammen Skat. Ich habe das Kartenspiel also doch nicht umsost um die ganze Welt getragen.
|




>> alle Fotos 04.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 05.05.2005, Dar es Salam (Tanzania) |
Den ganzen heutigen Tag habe ich in Dar es Salam verbracht und bin somit nicht, wie ich es vor hatte, am Nachmittag an einen der suedlichen Straende in der Naehe der Stadt gefahren. Auch wenn das Wetter mit enormer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit sogar das Sitzen auf einer Parkbank ermuedend macht, hielt ich es immerhin bis 16 Uhr nachmittags aus, bevor ich zu einer kurzen Verschnaufpause ins Hotel ging.
Am morgen sah ich mir die Lybia Street und nochmal die Umgebung des Hotels an, da ich auf der Suche nach einer Waescherei war. Reinigungen fand ich zwar, doch keine Waeschereien, bei denen man einfach einen kompletten Sack Waesche abgiebt und per Kilo bezahlt. So liess ich nur das Noetigste im Hotel waschen, wo man ebenfalls pro Einzelstueck bezahlt, ich jedoch einen Rabatt bekam und meine Unterwaesche und Socken als je ein Teil gezaehlt wurden.
Danach kaempfte ich mich durch die Strassen der Innenstadt in Richtung des Regierungs- und Botschaftsviertels, welches es hier gibt, obwohl streng genommen Dodoma die Hauptstadt Tanzanias ist.
Auf dem Weg passierte ich gegen 11 Uhr morgens ein Thermometer, welches 35 Grad Celsius anzeigte. Ich besuchte in dieser etwas weniger chaotischen Gegend das Nationalmuseum Tanzanias, das ausser einer sehr umfangreichen Austellung ueber Hoehlenmalerei in Afrika auch einen interessanten geschichtlichen Teil hat, in dem man Stuecke aus der deutschen und britischen Kolonialgeschichte und natuerlich auch Informationen zur Unabhaengigkeit und ueber die arabisch gepraegte fruehe Zeit der Stadt erhaelt. Im Museum waren mehrere Schuklassen unterwegs und ich musste 3 mal Pate fuer ein Foto stehen.
Von dort aus ist es nicht weit bis zum Fischmakt. Auf einem sehr grossen Areal wird dort weniger Fisch gehandelt, als vielmehr von vielen Frauen Fisch ausgenommen und gewaschen, weshalb der dortige Geruch zwar sehr fischig war, aber so wenig zu einem Snack einlud, dass ich erst ein paar Hundert Meter weiter ein kleines Restaurant fuers Mittagessen suchte. Ich fand dort dann auch die Touristeninformation, das einzig klimatisierte Gebaeude, in dem ich heute war.
Dort liess ich mir einen etwas groesseren Stadtplan geben und mir erklaeren, wie man zum Karaikoo Market gelangt. Als ich sah, das dieser lediglich etwas mehr als einen Kilometer ausserhalb der Innenstadt liegt, beschloss ich, dorthin zu laufen. Ich schaffte das zwar, in der Marktgegend selbst schleppte ich mich jedoch nur noch von Getraenkestand zu Getraenkestand.
Der Karaikoo Market ist Dar pur. Man stelle sich arabisches Chaos mit der indischen Aggressivitaet in einem afrikanischen Strassenbild vor. An der Hauptstrasse war es noch relativ geordnet, in manchen Nebenstrassen musste ich mir jedoch den Weg ueber leere mit chinesischen Schriftzeichen bedruckte Kartons und zwischen Bergen billiger Textilien her bahnen. Aus Sicherheitsgruenden verzichtete ich hier leider auf Fotos, was ich nun etwas bereue, doch war es ueberall so voll, dass ich es als keine gute Idee empfand.
Nun war es an der Zeit, in die Abgeschiedenheit des Hotels zurueckzukehren und zwei Stunden zu relaxen. Danach hatte ich wieder Hunger und ging zur Samora Ave, der Hauptstrasse durch Dar, die parallel zum Hafen zwei Strassen landeinwaerts verlaeuft. Obwohl sehr teuer, goennte ich mir in einem Fastfoodladen eine Pizza, die tatsaechlich nach Pizza schmeckte.
Den Abend verbrachte ich in einem Internetcafe und ging ziemlich erschoepft frueh zu Bett. |





>> alle Fotos 05.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 06.05.2005, Zanzibar (Tanzania) |
Ich bin auf Zanzibar, der sagenumwobenen Insel vor der Kueste Tanzanias. Viel mehr als hierhin zu kommen und ein sympathisches Gasthaus zu finden, habe ich heute jedoch nicht geschafft.
Nach mehr als 12 Stunden Schlaf bin ich heute morgen erst um 10.30 Uhr aufgewacht. Nachdem ich geduscht, zusammengepackt und ausgecheckt hatte, war es schon nach 11 und somit an der Zeit zu den Ticketstaenden am Hafen fuer die Faehren nach Zanzibar zu gehen. Die guenstigste Faehre kostet 15 USD, plus 5 USD Hafensteuer macht 22.000 Shilling. Ohne Probleme bekam ich ein solches Ticket fuer eine Faehre deren Abfart fuer 12 Uhr vorgesehen war.
Der Papaasi, wie die lokalen Touts hier genannt werden, der mich zum Ticketbuero gefuehrt hatte, brachte mich zur Anlegestelle der Faehre, die in einem sehr schmuddeligen Teil des Hafens war. Auf dem Weg hielten wir noch bei einem weiteren Mitarbeiter des Unternehmens an, der mich gestern bereits angesprochen hatte. Er verlangte von mir 5.000 Shilling Eintrittsgebuehr fuer den Hafen, stand allerdings vom Eingang weit entfernt. Nach einer kurzen Diskussion folgte ich seinem Vorschlag zum Hafen hinzugehen und dann ggf. wieder zurueck zu muessen, um zu bezahlen. Wie vermutet hoerte ich das Wort Hafeneintrittsgebuehr allerdings nie wieder. Aber man kann es ja mal versuchen.
Noch am Tor wurde mir gesagt, dass wir gegen 15 Uhr auf Zanzibar ankaemen. Das glaubte ich nicht mehr, als wir um 12.30 mit halbstuendiger Verspaetung losfuhren. Ziemlich sicher, dass die Ankunft deutlich spaeter sein wuerde, war ich, als wir eine weitere Stunde spaeter, nachdem wir an einer anderen Stelle des Hafens noch grosse Mengen sackweise verpackter Gueter geladen hatten, endlich den Hafen von Dar es Salam verliessen.
Doch auch als wir einmal unterwegs waren, konnte von 3 Stunden nicht die Rede sein. 4 Stunden und 45 Minuten vergingen, bis wir im Hafen von Zanzibar festgemacht hatten. Aber wir sind angekommen, was nach dem optischen Eindruck, den das Schiff auf dem wir unterwegs waren machte, alles andere als sicher war. Immerhin sassen wir handvoll Auslaender unter den 250 Passagieren in der ersten Klasse, also einem sporadisch mit einem huefthohen Holzverschlag abgetrennten Bereich, in dem man zwar die selben exotischen Gerueche und die selbe Geraeuschkulisse hatte wie alle anderen, aber mit etwas mehr Platz.
Wie vorgewarnt, warteten nach der Ankunft gleich viele neue Freunde auf uns Touristen, die uns in jegliches Hotel oder Gasthaus fuehren wuerden, wenn es nicht eines ist, in dem sie keine Komission bekommen. Der junge Mann, der sich an meine Versen heftete, versuchte daher mir das Flamingo Guesthouse, das mir empfohlen worden ist, auszureden und schwaermte mir stattdessen von anderen Unterkuenften vor. Doch mit meinem Buch in der Hand fand ich recht einfach die von der Hauptstrasse abzweigende Gasse, in dessen Naehe das Flamingo ist.
Dann jedoch beginnt Stone Town, die Altstadt von Zanzibar Town, mit schmalen Gassen, die willkuerlich um die Haeuser herum fuehren und in keinem auch noch so detailgetreuen Stadtplan adaequat abgebildet werden koennen. Wir kamen an einem Gasthaus vorbei, das sich als Flamingo ausgab, es aber noch nicht sein konnte, weshalb ich weiter ging. Vor dem Jambo Guesthouse traf ich dann einige andere Touristen, die mir den Weg erklaerten, wobei es von dort nur noch 40 Meter waren.
Am Abend ging ich noch ein Stueck spazieren, weil ich etwas zu Essen brauchte. Ich fand ein kleines schmuddeliges Restaurant, in dem ich den ersten Hunger stillte und war dann verloren. Ich lief also immer in die selbe Richtung, da ich wusste, dass ich in der dreieckigen Altstadt irgendwann entweder ans Wasser oder an die Hauptstrasse stossen wuerde. Ich kam am alten arabischen Fort heraus, direkt an dem herrlich riechenden Forodhani Market, wo ich eine Zanzibar Pizza und einen gegrillten Spiess ass. Ich haette an diesem grossen Foodmarked noch Stunden verbringen koennen, fragte ich mich aber durch zurueck zum Guesthouse, wo ich bis spaet in die Nacht in meinem grossen und bequemen Bett Musik hoerte und meinen Fotoindex mal wieder auf aktuellen Stand brachte.
|




>> alle Fotos 06.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 07.05.2005, Zanzibar (Tanzania) |
Heute war ich den ganzen Tag in den Gassen von Stone Town, der Altstadt von Zanzibar Town unterwegs. Mein erster Weg fuehrte mich ueber den mir bereits bekannten Weg zu alten arabischen Fort, das ich einmal umrundete. Direkt neben dem Fort steht das sogenannte House of Wonders, das erste Haus mit Elektrizitaet und einem Fahrstuhl in Ostafrika. Es wurde 19. Jahrhundert vom Sultan von Zanzibar gebaut und ist mit seinem mittigen Uhrturm ein schoenes Fotomotiv. Ob es die 3 USD Eintritt wert ist, kann ich nicht sagen, da ich stattdessen in das ebenfalls an der Mizangi Road am Ufer liegende Palace Museum ging.
Auch dies Gebaeude ist laengst nicht mehr ganz so weiss, wie es frueher einmal war, als noch bis 1964 die Sultane von Zanzibar hier residierten. Ein paar interessante Stuecke sind dort zwar zu sehen, wie beispielsweise grosse Gemaelde vom Franzl und der Sissi, die die kaiserliche Familie von Oesterreich-Ungarn dem Sultan anlaesslich eines Handelsabkommens geschenkt haben, doch hatte ich von einem Sultanspalast doch etwas mehr erwartet.
Von dort ging ich am zurecht Big Tree genannten Baum vorbei bis zum Hafen. Auch der hiesige Hafen hat einen Fischmarkt und die Umgebung ist wenig einladend, dafuer sehr echt. Als ich dort war, konnte ich Einheimische beobachten, die gerade Kohle von einem Dhow abluden, einem seltsam getarkelten Einmaster ohne Motor, die hier noch sehr oft fuer den Transport preiswerter Gueter genutzt werden und fuer Touristen als Fotomotiv beim Sonnenuntergang sehr beliebt sind.
Von dort ging ich in die Neustadt, in der es einige sehr lebhafte und untouristische Marktstrassen gibt, die weniger chaotisch sind als der Karaikoo Markt in Dar es Salam. Ich setzte mich dort an einen kleinen Tisch zu einem alten Verkaeufer, aus dessen Kannen er zu meiner Ueberraschung kein Tee sondern Kaffee ausschenkte. Auch das war mir recht. Gut gestaerkt kaufte ich mir ein neues T-Shirt, obwohl noch keines meiner Shirts ersetzt werden muss. Doch geht meine Reise dem Ende entgegen und ich muss ja schliesslich die guenstigen Maerkte nutzen, um nicht mit Platz im Rucksack zurueckzukehren.
Zu Mittag ging ich ins China Plate Restaurant, wo es ein recht guenstiges Mittagsmenu gibt. Zudem hat man vom Dachgeschoss des Gebaeudes eine gute Sicht aufs Meer und ein paar umliegende Gebaeude. In einem Internetcafe verfolgte ich danach die erste Qualifikation zu den Fernando Alonso Festspielen in Barcelona. Jarno Trulli aergerte die Fans etwas, doch Alonso und Kimi sind ebenso in der selben Zehntelsekunde wie Jarnos Teamkollege Ralf Schumacher. Dass Raikkonen trotz eines kleinen Fehlers da vorn zu finden ist, macht ihn fuer Sonntag zum Favoriten.
Am Nachmittag strollte ich durch die wirren Gassen von Stone Town und kam dabei am High Court und an den mickrigen Victoria Gardens vorbei. Ich fand auch das St. Monicas Hostel, in dessen Kellergeschoss sich Sklavenkammern befinden. In einem kaum 50 Zentimeter hohen und unbelauchteten kleinen Raum wurden 50 bis 70 Sklaven die letzten 2 oder 3 Tage vor ihrer Versteigerung und anschliessender Verschiffung aufbewahrt wurden. Die Ueberlebenden waren stark genug, um einen guten Preis auf dem Markt zu erzielen.
Dort wo frueher die Versteigerungen stattgefunden haben, steht nun die Kathedrale, mit dessen Bau direkt nach dem Verbot der Sklaverei im Jahre 1873 hier begonnen wurde.
Von dort ging ich zum Darajani Market, einem grossen Lebensmittelmarkt in und um einem alten Marktgebaeude, wo erste Staende mit den Vorbereitungen fuer das Abendessen begannen, was mich daran erinnerte, dass mein Mittagessen auch schon wieder eine gute Hand voll Stunden her war. Ich machte mich folglich wieder auf den Weg zu den Forodhani Gardens, wo ich mir einen wunderschoenen Sonnenuntergang ansah, bis die ersten Staende so weit waren, dass ich mir ein paar gegrillte Gambas und dazu ein Glas Zuckerrohrsaft kaufte.
Nach einigen weiteren Grillspiessen und einer Zanzibar Pizza zum Abschluss wollte ich gerade zurueck ins Hostel gehen, als ich von 2 Jungen angeprochen wurde, die an mir ihre Englischkenntnisse ausprobieren wollten. Es dauerte fast 20 Minuten, bis ich mein Misstrauen den beiden gegenueber abgelegt und akzeptiert hatte, dass sie wirklich nichts verkaufen wollten. Ich unterhielt mich bestimmt noch eine ganze Stunde mit den beiden, wobei zwischendurch der kleine Bruder einer der beiden vorbei kam, der ein derart undeutliches Englisch sprach, dass ich nur gut die Haelfte aller Wort verstand. Trotzdem war es recht interessant mit den 3 Jungs zu sprechen. |





>> alle Fotos 07.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 08.05.2005, Zanzibar (Tanzania) |
Nach dem heutigen Fruehstueck auf der Dachterrasse des Flamingo Guesthouse ging ich zu einem Touranbieter in der Naehe des Hafens, bei dem ich mich gestern Abende bereits ueber Moeglichkeiten fuer heute informiert hatte. Mir wurde gesagt, dass ich um 9 Uhr an dem Buero bzw. Restaurant sein solle, um dann zu sehen, ob genuegend Leute fuer die Tour zur Prison Island da seien, einer kleinen Insel recht nah von Stone Town, auf der die Ruinen eines nie genutzten Gefaengnisses stehen.
Da nicht genuegend Leute dort waren, es ist derzeit Nebensaison in Tanzania, ist es auch unnoetig zu erwaehnen, dass die Insel einen sehr schoenen Strand und eine grosse Anzahl Meeresschildkroeten beheimatet, die die eigentliche Attraktion der Tour sind. Stattdessen habe ich die sehr beliebte Spice Tour gebucht, die auch nur 10 USD kostete. Die Tour zur Prison Island haette den Vorteil gehabt, dass ich frueh genug zurueck gewesen waere, um den GP von Spanien in Barcelona zu sehen, so ich denn eine Bar oder ein Hotel gefunden haette, wo dieser gezeigt wuerde.
So aber musste ich noch eine halbe Stunde warten, bis ich von einem offenen Minibus abgeholt wurde, der sich nach 3 Hotels mit insgesamt 12 Touristen gefuellt hatte. Dann fuhren wir los zu den von der Regierung gesponsorten Versuchsgaerten, in denen neben den auf Zanzibar seit Jahrhunderten angebauten Gewuerzen wie Zimt, Kardomon und Nelken auch viele weitere Fruechte und Gewuerze angebaut werden.
Wir bekamen viele verschiedene Proben angeboten und es wurde sehr anschaulich erklaert, wie Pfeffer, Vanille, Muskatnuss, usw. angebaut, geerntet und weiterverarbeitet werden. Auch Versuchsplantagen fuer verschiedene Fruechte haben wir uns angesehen. Ich fand es interessanter, zu sehen, wie Zanzibar hier in den laendlichen Bereichen aussieht und es war schoen, auf dem Weg durch die Felder durch ein Dorf zu kommen, dessen Grundschule gerade Pause hatte, weshalb wir den Kindern beim Fussballspielen zusehen konnten.
Als wir den Rundgang mit Bananenstraeuchern abgeschlossen hatten, bekamen wir noch Kostproben verschiedener Fruechte der Insel gereicht, bevor wir weiterfuhren. Naechstes Ziel war ein altes persisches Bad auf einer grossen Farm, das einst von dem Sultan von Zanzibar genutzt worden ist. Danach hatten wir in einer sehr einfachen Huette unser Mittagessen, das aus Gewuerzreis mit Spinat und einem Gemuesecurry bestand. Obwohl es sehr einfach war, schmeckte es hervorragend und es war noch genug Zeit, um uns noch ein wenig miteinander und mit unserem Guide zu unterhalten.
Bevor wir zurueck nach Stone Town fuhren, hatten wir noch einen eineinhalbstuendigen Halt an einem sehr huebschen Strand an der Ostkueste, bei dem wir schwimmen gingen und uns in die Sonne legen konnten. Zurueck in der Stadt verfolgte ich die letzten Runden des Spanien GP im Liveticker von RTL, da die Verbindung so schlecht war, dass Sport1, das ohnehin immer lange Ladezeiten benoetigt, auch nach mehreren Versuchen nicht angezeigt werden konnte.
Am Abend organisierte ich fuer morgen frueh um 8 Uhr einen Minibus an die Nordkueste nach Nungwi, wobei ich nicht sicher bin, ob tatsaechlich jemand zum Hotel kommen und mich abholen wird. Der Papaasi, durch den ich den Transport organisiert habe, schien jedenfalls verschiedenste Kraeuter geraucht zu haben und dachte noch einen Schritt langsamer als er sprach. Sein Kollege, zu dem wir gingen, da ich mit jemandem sprechen wollte, der etwas verantwortungsbewusster aussah, hat zumindest meinen Namen und das Hotel notiert und mir versprochen, um spaetestens 8.15 Uhr am Flamingo Guesthouse zu sein.
Ich zahlte aber nichts an, sondern bestand darauf, erst zu bezahlen, wenn ich im Minibus sitzen wuerde. |





>> alle Fotos 08.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 09.05.2005, Zanzibar (Tanzania) |
Etwas ueberraschend kam heute morgen um nur 6 Minuten nach 8 Uhr ein dreikoepfiger Trupp zum Hotel, um mich abzuholen. Da die Gassen in Stone Town fuer Autos zu schmal sind, waren sie zu Fuss unterwegs und wir mussten bis zum Minibusparkplatz laufen. Zwei der drei gingen dann wieder ihrer normalen Taetigkeit, naemlich irgendwo herumzustehen bis es langweilig wird und sich dann zu setzen, nach, waehrend der dritte mit in den Minivan einstieg.
Wir holten nur noch 2 weitere Fahrgaeste ab und tankten 2 Liter Benzin an einer Tankstelle auf dem Weg und schon waren wir unterwegs nach Norden. Die Strasse ist groesstenteils gut ausgebaut und wir hielten nur an den polizeilichen Kontrollpunkten an, weshalb wir gegen 9.30 Uhr in Nungwi ankamen, wo ich mit ausstieg, obwohl ich nicht in Nungwi, sondern im 2 Kilometer suedlich gelegenen Kendwa uebernachten wollte. Doch hatte ich gelesen, dass man dorthin auch am Strand entlang laufen kann, was ich bevorzugte, zumal ich nur meinen Tagesrucksack mit mir hatte und der Grossteil meines Gepaecks sich im Flamingo Guesthouse befindet.
Ich ging also am herrlich weissen Sandstrand entlang, zog dazu meine Schuhe aus um auch etwas durch das tuerkiesfarbene Wasser gehen zu koennen und passierte dabei eine ganze Menge Hotels und Restaurants, da Nungwi selbst der beliebteste Strandort auf Zanzibar ist. Nachdem eine Weile nichts kam ausser einem schmaleren Strand der mit Felsen endet, wandte ich mich an der ersten kleinen Unterkunft danach an den jungen Mann, der hinter der Bar sass. Ich bekam hier im Toit du Palme eine aus Palmblaettern gebaute Huette mit ohne Boden, also dem weissen Sand als Fussboden, obwohl mir fuer den gleichen Preis ein nettes Zimmer im gemauerten Teil angeboten wurde, das zudem noch ein eigenes Bad gehabt haette. Doch wollte ich in der Huette uebernachten und durch die duennen Waende morgen frueh als erstes das Rauschen des Meeres hoeren.
Ich ging schwimmen und legte mich unter den grossen Strohschirm, wo ich den Grossteil des Nachmittags verbrachte. Als ich nach einem kurzen Nickerchen aufwachte, war es bereits 4 Uhr am Nachmittag und ich entschied, in den kleinen Ort Kendwa zu gehen, um mir eine neue Flasche Wasser zu kaufen, da man hier auf Zanzibar das Leitungswasser besser nicht trinken sollte. Sogar die Einheimischen kochen es waehrend der Regensaison ab, bevor sie es trinken.
Ich ging durch Kendwa und von dort weiter bis an die Hauptstrasse, der ich bis nach Nungwi Village folgte. Erst dort kaufte ich mir ein Krest Lemon zur Erfrischung, ein paar Kekse und eine neue Flasche Wasser. Wie am morgen wollte ich dann am Strand entlang nach Kendwa zurueck laufen. Mir wurde dazu ein Boot angeboten, doch das lehnte ich leider ab. Nach wenigen Hundert Metern war der Strand zu Ende, da wir nun Hochwasser hatten. Der Unterschied ist hier gewaltig, was ich zwar schon an meiner Unterkunft festgestellt hatte, dass es jedoch gaenzlich unmoeglich waere, am Strand entlang zurueck zu laufen, hatte ich nicht erwartet.
Nachdem ich ein Stueck oberhalb der Felsen einem Pfad durch dichtes Gruen gefolgt war, kam wieder ein Stueck Strand, dann jedoch folgte ein langer Abschnitt, den man nur oberhalb zuruecklegen kann. Hier gab es keine Pfade oder Wege mehr oder zumindest fand ich keine. Ich schlug mich also durch immer dichteren Bewuchs, der teils nach richtigem Jungle aussah. Der Untergrund besteht dabei aus Felsbrocken, die teils sehr wackelig sind, jedoch unter hohem Gras versteckt, so dass man nur jeden Schritt vorsichtig antesten kann und mit etwas Glueck hat man sicheren Halt gefunden.
Unguenstig war auch, dass ich nur meine FlipFlops unter den Fuessen hatte. Eine grosse Machete haette mir das Leben leichter gemacht, doch ich musste mich mit den Haenden durch die Buesche kaempfen. Zuweilen kam ich gar nicht weiter und musste wieder ein Stueck zurueck um einen anderen Weg auszuprobieren. Es wurde nun auch zunehmend dunkler, doch um umzukehren, war ich bereits zu weit.
Ich kaempfte also weiter und kurz bevor es voellig dunkel war, hoerte ich mit kleinen Wunden an den Beinen, Armen und Fuessen das naechste Stueck Strand am Rauschen der Wellen. Dies zog sich dann bis zum Toit du Palme, wo ich ankam, um mit Brigitte, einer deutschen Krankenschwester, die fuer eine Organisation in Burundi arbeitet und Cecile, einer franzoesischen Voluntaerin fuer die UN in Burundi, zu Abend zu essen.
Wir sind in dieser Unterkunft die einzigen Gaeste und nach dem Abendessen gingen die Mitarbeiter aus, sodass auch wir beschlossen, eine Huette weiter zu gehen, um noch ein Bier zusammen zu trinken. Gross ist die Auswahl hier in Kendwa nicht, doch wir fanden eine gemuetliche Bar am Strand, wo wir bei afrikanischer Musik einen abendlichen Drink nahmen.
Als ich in meine Huette ging, stellte ich im Licht meiner Laterne fest, dass ueber meinen letzten Spuren mehrere Kriechspuren der Einsiedlerkrebse verliefen, mit denen ich gezwungener Massen zusammen wohne. Diese kratzten auch immer mal wieder an den Waenden der Huette, doch das war nicht so laut, dass ich Probleme beim Einschlafen bekommen haette. Da die Huette keine Fenster hat und zudem noch unter den Palmen steht, war es allerdings so dunkel, dass ich auch nachdem sich meine Augen daran gewoehnt haben sollten ueberhaupt nichts sehen konnte. |





>> alle Fotos 09.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 10.09.2005, Zanzibar (Tanzania) |
Ich liege in einem grossen klimatisierten Raum mit Fernsehern und bequemen Sofas und die Faehre Aziza II, der ganze Stolz des Aziza Faehrunternehmens hat soeben den Hafen von Zanzibar Town verlassen. Zwar mal wieder mit fast 2 Stunden Verspaetung, doch das ist kein Problem, da ohnehin geplant ist, dass wir irgendwann in der Nacht in Dar es Salam ankommen und erst um 6 Uhr morgens die Faehre verlassen koennen. Dass diese Fahrt die gleichen 15 USD kostet wie die Hinfahrt auf der Frachtfaehre vor ein paar Tagen, bzw. sogar noch 5 USD guenstiger ist, da die Hafengebuehr entweder nur einmal gezahlt werden muss oder sogar schon im Preis enthalten ist, ist schon seltsam. Zumal so wenig Leute erste Klasse fahren, dass jeder eine ganze Couch fuer sich hat, auf der man sehr bequem schlafen kann.
Ich wurde heute morgen wie erhofft vom Meeresrauschen geweckt und war froh, dass die Sonne bereits aufgegangen war und ich durch die kleinen Loecher in den Waenden wieder genug Licht in der Huette hatte, um etwas zu sehen. Beim Fruehstueck traf ich Cecile, die frueh aufgestanden war, weil sie heute an einer Schnorcheltour teilnehmen sollte. Waehrend ich mein Fruehstueck gemuetlich beendete, ging sie daher zu einer anderen Unterkunft in Kendwa, wo gestern eine Gruppe eines Overlandtrucks eingecheckt hatte, die heute eben diese Tour machen wollten.
Doch nach 15 Minuten war sie wieder zurueck, da die Tour ausfiel, weil die vorgesehenen Teilnehmer gestern Abend in Nungwi in einer Bar versackt sind und heute nicht in der Lage waren, um 9 Uhr zur Tour bereit zu sein. Viel spaeter kann man die Tour aber wegen der Gezeiten nicht machen. So kam Cecile schon am Vormittag mit mir zurueck nach Stone Town. Bevor wir abreisten gingen wir jedoch noch eine halbe Stunde schwimmen. Viel laenger dort zu bleiben, haette nicht viel Sinn gemacht, da es heute morgen sehr bewoelkt war. Das war jedoch immer noch besser als der voellig verregnete Nachmittag in Stone Town.
Wir marschierten am Strand entlang nach Nungwi Village, wo wir einen Dalla Dalla fanden, der nach Stone Town fuhr. Das Fahrzeug war teils mit 20 Leuten auf der Ladeflaeche unterwegs, was etwas eng wurde und auch die Dauer der Fahrt war laenger als gestern weil wir recht oft anhielten. Doch die Fahrt war mit 1.000 Shilling nicht nur 2.000 Shilling guenstiger als mein gestriger Transport, auch war es viel authentischer und wir kamen sogar ein wenig in Kontakt mit der lokalen Bevoelkerung.
In Stone Town gingen wir, bereits bei Regen, zum Monsoon Restaurant und tranken in nettem Ambiente einen Tee. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich auf das Ende eines langen, heftigen Schauers wartend an der Rezeption des Flamingo Guesthouse bzw. in einem Internetcafe. Der Weg dorthin, vorbei an einem Geldautomaten an dem ich mich mit frischen Shillings versorgte und einer Wechselstube, bei der ich von diesem Geld 90.000 Tsh in 80 USD fuer mein Kenia Visum, die Flughafensteuer in Nairobi und das Aegypten Visum umtauschte, genuegte um voellig durchnaesst zu sein.
Am Abend traf ich mich wieder mit Cecile, um in den Forodhani Gardens etwas zu essen, wobei die Auswahl wegen des schlechten Wetters auf 2 Staende beschraenkt war. Cecile wurde von einer aelteren Franzoesin begleitet, die sie in ihrem Hotel, der Garden Lodge, gefunden hatte und die danach mit uns ins Cultural Musik Center kam, wo jeden Abend zwischen 19 und 22 Uhr eine zanzibarische BigBand probt, wozu Zuschauer herzlich engeladen sind. Wiederum wegen des Regens waren aber nur 3 Musiker da, unter ihnen leider nicht jener mit dem Schluessel zum Instrumentenraum und nach 30 Minuten warten wurde uns mitgeteilt, dass die Probe heute ausfaellt. Cecile versprach morgen oder uebermorgen hin zu gehen und mir zu mailen, ob ich etwas verpasst habe.
Bevor ich mein Gepaeck vom Flamingo abholte und zum Hafen ging, sassen wir drei noch zusammen in der "Lounge" der Garden Lodge und unterhielten uns ueber verschiedene Reiseziele. Zum Glueck hatte der Regen ein Einsehen mit mir und ich konnte den naechtlichen Spaziergang zum Hafen ueber nicht geflutete Wege und ohne Naesse von Oben zuruecklegen. Anders als bei der Ankunft bekam ich bei der Abreise keinen Stempel in den Pass, was eigentlich korrekt ist, da Zanzibar nunmal zu Tanzania gehoert. Aber nun habe ich zumindest in meinem Reisedokument den Beweis, dass ich einmal hier gewesen bin.
Meine weitere Planung sieht nun vor, morgen frueh gegen 7.30 einen Bus nach Dodoma zu nehmen, der Wichtigkeit und Schoenheit dieser Stadt Rechnung zu tragen und daher nur den folgenden Nachmittag und die Nacht dort zu verbringen und am naechsten Morgen mit dem Central Line Zug nach Mwanza am Lake Victoria weiter zu fahren. |
|
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 11.05.2005, Dodoma (Tanzania) |
There is no hurry in Africa. Daran sollte ich mich langsam gewoehnt haben. Irgendwie schaffte es die Faehre, obwohl zum Zeitpunkt der Abfahrt noch volle 6 Stunden Zeit waren, auch diesmal mit 90 Minuten Verspaetung, also erst um 7.30 Uhr anzukommen. Danach lief jedoch alles ungefaehr nach Plan. Ich fand schnell einen Dalla Dalla zum 11 Kilometer ausserhalb der Stadt in Ubungo gelegenen Busbahnhof. Zwar drehte ein Verkehrspolizist bei einem Stopp den Zuendschluessel um und machte der Fahrt somit ein vorzeitiges Ende, doch stand sofort ein anderes Fahrzeug bereit, mit dem wir die Fahrt fortsetzen konnten. Ich fand einen Bus nach Dodoma um 9.30 Uhr und hatte somit genuegend Zeit, um vor der Abfahrt noch zu fruehstuecken und mir Verpflegung fuer unterwegs zu kaufen.
Das Ticket ist mit 6.500 Shillig, also 5 EUR fuer die 480 Kilometer lange Fahrt sehr guenstig, trotzdem war der Bus nicht all zu schlecht. Ausserdem ist die Strasse durchgaengig geteert, weshalb wir nur unwesentlich laenger brauchten, als die geplanten 7 Stunden. So kamen wir kurz nach 17 Uhr in Dodoma an, wo ich meinem Instinkt Richtung Innenstadt und dann den Schienen Richtung Bahnhof folgte. Um ein Ticket fuer den morgigen Zug nach Mwanza zu kaufen war es bereits zu spaet, doch koenne ich das morgen frueh erledigen. Unweit des Bahnhofs gibt es das kleine Hotel Kilimanjaro Villa, zu dem ich mich durchfragte und wo ich fuer 6.000 Shilling ein Bett fuer die Nacht und das morgige Fruehstueck bekam. Extra fuer mich schon um 7 Uhr, da ich um 7.30 Uhr bereits am Bahnhof sein muss.
Ich machte mich dann auf in die Stadt, doch was ich zu sehen bekam war einer Hauptstadt nicht wuerdig. Ausser den beiden Hauptverkehrsstrassen ist nahezu keine weitere geteert und die wenigen, wo dies der Fall ist, sehen aus wie Schotterstrassen, da ein sehr hoher Sandbelag auf dem Asphalt liegt. Von einigen Moscheen und 2 Kirchen abgesehen sind nur die 3 oder 4 Gebaeude in denen sich Spielhoellen finden einigermassen gut erhalten, ansonsten ist es recht finster.
Es gibt eine Art Fussgaengerzone, deren Strasse gepflastert ist, bzw. teils gerade gepflastert wird. Die Shops entlang dieser Strasse sind jedoch die gleichen einfachen Huetten in denen einfache Keidung oder Haushaltswaren verkauft werden, wie in anderen afrikanischen Kleinstaedten. Auch die wenigen Regierungsgebaeude, der Grossteil steht ohnehin in Dar es Salam, hat schon bessere Zeiten gesehen. Ich bin daher nicht ungluecklich, schon morgen frueh weiterfahren zu muesen.
Als die Sonne untergegangen war, ass ich an einem Strassenstand noch Pommes mit Huhn, was qualitativ sehr maessig war. Wann das Stueck Huhn erstmals auf einem Grill gelegen hat, vermag ich nicht zu sagen, dem optischen und geschmacklichen Eindruck nach sind seitdem aber schon ein paar Tage vergangen. Zum Glueck kam ich auf dem Rueckweg aber noch bei Roses Cafe vorbei, wo ich einen Kaffee trank und dazu einen Donut und zwei Samosas ass. Auch preislich war dies zweite Abendessen um Laengen besser als mein erstes. |




>> alle Fotos 11.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 12.05.2005, Dodoma (Tanzania) |
Ich liege in einem uralten Bus und bin gerade damit fertig geworden, meine Knochen wieder an die richtigen Stellen zu sortieren. Nun erhole ich mich von den Strapazen des ersten Teils der wohl haertesten Busreise meiner gesamten Weltreise.
Mein Fruehstueck war erwartungsgemaess bescheiden, doch immerhin war das Weissbrot, das es zum Tee gab, frisch. Ich warf auf dem Weg zum Bahnhof noch ein paar Postkarten in einen Briefkasten und bekam dann am Schalter die Hiobsbotschaft, dass es fuer den heutigen Zug keine Tickets mehr gaebe, weder hier, noch direkt im Zug. Ich ueberlegte kurz, ob ich nicht doch einfach versuche in den Zug zu steigen und dort dann irgendwie fuer einen Platz zu bezahlen. Leider entschied ich mich dagegen, weil ich nicht wusste, dass selbst ein Stehplatz in der dritten Klasse bequemer gewesen waere als das was ich gerade durchgemacht habe.
Am Busbahnhof verglich ich ein paar Preise, doch scheint 25.000 Shilling fuer die Strecke nach Mwanza der gaengige Preis zu sein, obwohl es nur 685 Kilometer sind und damit lediglich 200 mehr als Dar-Dodoma, was mich nur 6.500 gekostet hatte. Vermutlich ist die Konkurrenz auf dieser Strecke nicht so hoch und die Reisezeit deutlich laenger. Zudem sind hier die Reparaturkosten definitiv erheblich hoeher. Die Zeit sollte aber zeigen, dass der Fahrpreis noch das geringste Uebel ist.
Ich kaufte also ein Ticket fuer 12.30 Uhr, wobei der Bus natuerlich erst um 13.30 hier ankam und dann noch Mittagspause machte, sodass wir erst nach 14 Uhr endlich losfuhren. In der Zwischenzeit ging ich nochmal durch Dodoma, fand eine weitere geteerte Strasse, an der das Hauptquartier der regierenden Partei CCM steht, welches recht neu aussieht. Insgesamt kann ich meinen nicht wirklich guten Eindruck des gestrigen Abends trotzdem nicht revidieren. Bevor ich zum Busbahnhof ging war ich noch in einem Internetcafe und ass bei Rose ein zweites Fruehstueck.
Um 14.12 begann dann die Folter. Ich hatte noch kurz ueberlegt, einen langen Pulli mit in den Bus zu nehmen, da ich angesichts des Fahrpreises sogar eine Klimaanlage nicht ausschliessen wollte. Als der Bus auf den Platz rollte, wusste ich, dass diese Ueberlegungen geistige Makulatur waren. Nicht nur, dass der Bus keine Gepaeckfaecher hat und mein Rucksack daher in meiner Naehe im Gang liegt. Auch war die Klimaanlage vermutlich noch nicht erfunden, als dieser Bus das erste mal auf die Strassen dieser Welt losgelassen wurde.
Mein Rucksack stoert aber im Gang nicht, da sich hinter mir nur noch eine letzte Sitzreihe befindet und der Gang auch relativ breit ist. Das ueberrascht, da pro Sitzreihe 5 nummerierte Sitzplaeetze zu finden sind. Wo der noetige Platz her kommt, ist leicht zu erraten. Zwischen 2 weiteren maennlichen Erwachsenen auf der rechten Seite des Ganges zu sitzen ist so eng, dass ich am spaeten Nachmittag nicht mehr unterscheiden konnte, ob der Schweiss der mein Shirt durchnaesst, von mir oder von meinen Nachbarn kommt.
Das eigentliche Uebel ist jedoch die Kombination aus mangelhafter Federung und sehr schlechten Strassen. Die erste Stunde fuhren wir auf einem Behelfsweg neben der eigentlichen Strasse, da diese gerade von einer Schotterpiste zu einer modernen geteerten Strasse ausgebaut wird. Leider wurde die Situation danach nicht besser. Nach den ersten 225 Kilometern Fahrt, die wir in den letzten 7 Stunden zurueckgelegt haben, habe ich an beiden Haenden Schwielen vom Festhalten, was wohl einiges ueber die Verhaeltnisse hier hinten aussagt. Zumal ich, wie alle meine Leidensgenossen, einen Sitzplatz habe.
Wir wurden oft so hoch geschleudert, dass wir aufpassen mussten, nicht mit dem Kopf an die Gepaeckablagefaecher ueber uns zu stossen, die im Ruhezustand 50 Zentimeter ueber unseren Koepfen angebracht sind. Nach vielen 2er oder 3er Kombispruengen mussten wir aufstehen und das Sitzpolster wieder befestigen, das bei solchen Aktionen gerne aus der Verankerung springt. Da jeder auch noch so kleine Schlag von den Raedern ueber die nicht wahrzunehmende Federung an den Stahlplattenboden und von dort ueber die Sitze auf die Fahrgaeste uebertragen wird, spuere ich auch jeden einzelnen Muskel, besonders jene im Ruecken. Dass es zudem unertraeglich laut im Bus ist, da die losen Fenster in den Alurahmen wackeln und die Metallplatte am Boden auf dem Fahrgestell vibriert, geraet dabei fast ins Vergessen.
Wir stehen jetzt schon ueber eine Stunde hier am Busbahnhof in Singida und ich denke, dass wir wohl erst am fruehen morgen weiter fahren werden. Mit der Ankunft in Mwanza am Lake Victoria ist somit nicht vor dem spaeten Nachmittag des morgigen Tages zu rechnen. Es sei denn, die Strassen werden im tiefen Landesinnern ploetzlich wieder deutlich besser. Davon wage ich aber nicht zu traeumen. |



>> alle Fotos 12.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 13.05.2005, Mwanza (Tanzania) |
Wir fuhren gegen 3 oder 4 Uhr nachts weiter, wobei ein Grossteil der Fahrgaeste in Singida ausgestiegen ist und ich fuer den Rest der Fahrt die komplette 3er Sitzbank nur fuer mich hatte. Das Allein machte die Fahrt schon deutlich angenehmer, zumal ich mich auf meinen Schlafsack legte und dadurch eine viel bessere Polsterung hatte.
Als wir gegen 9 Uhr frueh in Tabora ankamen, rechnete ich aus, dass wir um 17 Uhr Mwanza erreicht haben muessten. Doch die Strasse dorthin ist die letzten 100 Kilometer geteert. So war es wegen der vielen Schlagloecher nur etwas bequemer, dafuer konnten wir aber recht schnell fahren, sodass wir bereits um 15.15 Uhr die Ufer des Victoriasees zu sehen bekamen und 15 Minuten spaeter am Busbahnhof von Mwanza ankamen.
Von der Fahrt gibt es sonst nicht viel zu berichten. Von der eher eintoenigen Landschaft habe ich nicht viel gesehen, da die Fenster nicht besonders durchsichtig sind und ausser dass ich allein noch unkontrollierter auf der Sitzbank huepfte, als zwischen 2 anderen Reisenden eingeklemmt, war der Unterschied zur Fahrt am gestrigen Abend nicht gross. Auf den fiesen Busbahnhoefen der Provinzstaedte habe ich jeweils etwas nahrhaftes zu Essen gefunden und die Toilettennutzung musste ich bezahlen, wobei die gebotene Qualitaet nie die 8 bis 16 EURCent wert war.
Die Stadt Mwanza entschaedigt allerdings fuer vieles. Obwohl es die zweitgroesste Stadt Tanzanias ist, ist das Zentrum sehr uebersichtlich und die Lage zwischen den Huegeln und den Ufern des Lake Victoria ist wunderschoen. Die Strassen sind ueberraschend sauber und doch gibt es sehr afrikanische Maerkte mit all dem Leben, das man von einer grossen Stadt erwartet.
Mein Hotel liegt mitten im Zentrum und das Einzelzimmer mit eigenem Bad kostet inklusive Fruehstueck nur 4.000 Shilling oder 3 EUR. Da ich ein Zimmer im obersten Stock bekommen habe, ist die Musik, die aus der angeschlossenen Disko heraufschallt nicht zu laut und ich habe sogar Sicht auf den See. Hier in der Innenstadt gibt es einige sehr einladende Cafes, die einen aehnlichen Standard bieten wie jene in Dar es Salam, doch keine Touristenpreise haben, da es hier nur sehr wenig Touristen gibt. Der einzige bin ich allerdings defintiv nicht, da ich nahe des Hafens bereits 3 junge Kanadierinnen mit Rucksaecken gesehen habe. Den Nachmittag und Abend ueber habe ich verschiedene frisch gepresste Saefte in den vielen Cafes getrunken, von denen der Wassermelonensaft der beste war.
Ich ging am Ufer des Sees entlang und fand etwas weiter am Bahnhofsgebaeude Relikte deutscher Baukunst, die sich im Giebel zeigten. Ein Stueck weiter war ich wiederum am Ufer des Sees, bzw. eines Seitenarms, den ich dort nicht erwartet hatte. Doch das Ufer ist sehr idyllisch, zumal auf der gegenueberliegenden Seite ein grosser Huegel emmporragt, an dem sich die Haeuser der reicheren Bewohner befinden. Besoders arm ist die Stadt ohnehin nicht, da Mwanza ein Handelszentrum fuer den gesamten Nordwesten Tanzanias ist und ueber den Lake Victoria auch Aussenhandel mit Uganda und Kenia betrieben wird.
Nach einem Abendessen im Hotel ging ich relativ frueh zu Bett, da ich von den Strapazen der Busreise doch sehr muede war. |





>> alle Fotos 13.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 14.05.2005, Mwanza (Tanzania) |
Gestern Abend beim Abendessen traf ich noch einen Mann aus Mwanza, der mir einige interessante Ideen lieferte, wie ich den heutigen Tag verbringen koennte. So gibt es eine Faehre nach Nansio auf der Insel Ukerewe, die 2 1/2 Stunden von hier entfernt ist. Man kann von dort ans Westende der sehr grossen Insel fahren, dort mit einer kurzen Faehre wieder ans Festland uebersetzen und dann zwischen Ufer und Serengeti Nationalpark wieder zurueck nach Mwanza fahren.
Zumindest in der Theorie. Praktisch geht das nur, wenn die Faehre morgens um 8 in Mwanza abfaehrt. Heute ist jedoch ein zweiter Tag und so faehrt die Faehre morgens von Nansio nach Mwanza, gegen Mittag zurueck auf die Insel und Abends wieder nach Mwanza. Anstatt nun einfach meine Tour umzudrehen kaufte ich fuer 12 Uhr ein Ticket und konnte so nur eine Stunde auf Ukerewe verbringen um dann gleich wieder zurueck fahren. Ich haette als Tourist, der hier keine Steuern zahlt aber die vorhandene Infrastruktur nutzt, gerne die 5 USD Port Tax zusaetzlich zum 2,50 EUR teuren Ticket bezahlt, doch dafuer extra in irgendein Amt in der Stadt zu laufen war mir zu umstaendlich. Letztlich hat sich auch niemand dafuer interessiert, ob auf meinem Ticket noch ein zusaetzlicher Stempel war, oder nicht.
Die Zeit bis 12 nutzte ich ausser zu einem Besuch in meinem Lieblingscafe auch noch, um bei 2 Reisebueros in der Stadt nach Safaritouren in die Serengeti zu fragen, doch da derzeit Nebensaison ist, gab es keine Gruppen, die in den naechsten 2 bis 3 Tagen abfahren wuerden. Ich sah mir auch die beiden imposanten hinduistischen Tempel der Stadt an und striff kurz ueber einen der Maerkte, bevor ich zum Pier hinunter ging.
Mit der ueblichen Verspaetung von knapp 90 Minuten verliess die Bumiana den Hafen von Mwanza. Schon waehrend der Wartezeit traf ich einen jungen Mann wieder, der mir bereits beim Ticketkauf behilflich war indem er mir den Fahrplan uebersetzte, woraufhin ich wusste, dass die selbe Faehre am Nachmittag wieder zurueck fahren wuerde. Ich unterhielt mich auch einen Grossteil der Fahrt mit dem Mann, der in Dar es Salam arbeitet und nun erstmals seit 4 Jahren wieder zurueck in seine Heimat Nansio fuhr.
Mein Aufenthalt auf der Insel Ukerewe war tatsaechlich sehr kurz. Am Ticketbuero kaufte ich direkt den Fahrschein fuer die Rueckfahrt und musste mich dann in der Naehe des Hafens aufhalten, da die Abfahrtszeit der Faehre mir mit "wenn ab- und wieder aufgeladen wurde" angegeben wurde. Doch auch diese kurze Zeit lohnte sich. Die Insel ist sehr schoen, am Ufer spielten Kinder im Wasser und der Ort Nansio ist der Hauptort der Insel, weshalb es dort sogar ein paar einfache Gasthaeuser und zwei Bars direkt am Ufer gibt.
Bevor es zurueck ging kaufte ich mir noch an einem der fuenf hintereinander aufgebauten Marktstaende, die alls nichts anderes als Orangen verkauften, zwei Orangen, die ich an Deck der Faehre ass. Die Rueckfahrt war noch schoener als die Hinfahrt, weil wr den Sonnenuntergang mitbekamen. Da ich zweite Klasse fuhr, also die beste auf diesem Schiff angebotene, hatte ich sogar einen Sitzplatz an einem der Tische, den ich jedoch spaeter aufgab, um auf der anderen Seite die Sonne im See versinken zu sehen.
Abends in Mwanza kaufte ich mir fuer 6 Uhr morgen frueh noch ein Busticket nach Arusha, wobei ich das ganze Stueck bis nach Singida zurueck muss und somit eine weitere mindestens 24stuendige Fahrt vor mir habe. Die Alternative ueber Nairobi war aber fuer mich aus visatechnischen Gruenden nicht moeglich. Und mehr Strassen, die mit Bussen befahren werden koennen, gibt es hier im westlichen Teil Tanzanias nunmal nicht.
Als ich vom Abendessen in einem sehr guten und nicht guenstigen indischen Restaurant zurueck kam, lag meine Waesche wie versprochen gewaschen und getrocknet auf meinem Bett. Nur die Disko schallte heute noch lauter herauf. Doch habe ich im Hotel keinerlei Probleme bekommen, obwohl ein Deutscher, der in Mwanza fuer ein Mienenunternehmen arbeitet, mir sagte, dass das Deluxe Hotel als Hauptumschlagplatz fuer Drogen und Prostituierte gelte, voll von Taschendieben und anderen Kleinkriminellen sei und ich daher besonders in der Bar sehr vorsichtig sein solle. |





>> alle Fotos 14.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 15.05.2005, Mwanza (Tanzania) |
Als ich heute morgen um 5.30 Uhr auscheckte, war in der Bar/Disko noch immer Hochbetrieb. Der Bus stand schon bereit, als ich am Busbahnhof ankam und ich wurde mit einem freundlichen Mr. Alexander! von dem Ticketverkaeufer begruesst, der schon auf mich wartete. Wir fuhren tatsaechlich nur wenige Minuten nach 6 Uhr morgens los.
Der Komfort des Busses ist hoeher als vor 2 Tagen. Es gibt nur 4 Sitzplaetze pro Reihe und die Sitze sind einzeln montiert mit verstellbaren Ruecklehnen. Auch der Boden ist keine rostige Metallplatte, sondern ein Kunststoffbelag. Daher ist das Geklappere auch angenhemer. Zudem sass ich recht weit vorne und dieser Bus, obwohl er auch nicht mehr der juegste ist, hat eine funktionierende Federung. Was das fuer einen Unterschied macht, merkte ich auf der Strecke nach Singida. Entweder sind wir einen anderen Weg gefahren, oder die Qualitaet des anderen Busses ist tatsaechlich extrem schlecht. Denn obwohl wir 2 Stunden schneller waren, hatte ich nie das Gefuehl, das die Strassen besonders schlecht waren.
Meine Freude ueber mehr Platz waehrte hingegen nur etwas eine Stunde. Dann stieg eine junge Frau mit einem ca. 6jaehrigen Sohn und einer etwas juengeren Tochter ein. Kinder fahren kostenlos mit, haben daher aber keinen eigenen Sitzplatz. Zwar passte die Tochter noch auf den Schoss ihrer Mutter, der Sohn sass jedoch zwischen uns, weshalb niemand von uns wirklich Bewegungsfreiheit hatte.
So verging Stunde um Stunde. Aus dem Fenster konnte ich heute mehr sehen, zumal ich auch einen Fensterplatz hatte und die Landschaft ist huebsch anzusehen. Gegen 15 Uhr hatten wir Singida erreicht und um 22 Uhr hielten wir zur Nachtruhe. Diese dauert jetzt noch an und ich vermute, dass wir wiederum frueh am morgen losfahren, um morgen Vormittag in Arusha anzukommen. Kurz bevor wir hier ankamen sahen wir noch den Vulkan Mount Hanang, der in der huegeligen aber nicht bergigen Umgebung 3.416 Meter hoch in den Himmal ragt und so auf den ersten Blick fuer den Kilimanjaro gehalten werden koennte. |
|
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 16.05.2005, Arusha (Tanzania) |
Heute Abend um 22.30 Uhr war es so weit: Ich bin genau 1 Jahr unterwegs. Ich musste also, da ich ostwaerts gereist bin nicht meinen 365, sondern meinen 366 Tagesbericht schreiben. Leider gibt es da eine Neuerung. Die Busfahrten der letzten Tage hat mein Koerper ohne bleibende Schaeden ueberstanden. Mein Communicator hingegen nicht. Zwar ist er noch voll funktionsfaehig, doch kann man auf dem Display nahezu ueberhaupt nichts mehr erkennen. Mit viel Geduld habe ich es geschafft die letzten fertigen Berichte auf die Karte zu kopieren, so neue Berichte zu schreiben, ist jedoch unmoeglich. Daher werde ich in den letzten 2 Wochen meiner Reise noch mehr Zeit als bisher in Internetcafes verbringen, da ich die Berichte nun dort schreiben muss.
Nach einer weiteren Nacht in einem Bus, wenn meine Planungen richtig sind, allerdings der letzten dieser Reise, kam ich heute morgen um 8 Uhr in Arusha an. Der Bus fuhr anders als urspruenglich geplant aber nicht weiter nach Moshi, da nur 3 der Fahrgaeste mitgefahren waeren. So nahm ich einen anderen Bus, der schon 10 Minuten spaeter abfuhr.
Mein Gepaeck, meine erst am Vortag gewaschene Kleidung sowie ich selbst waren nach der wiederum 26 Stunden dauernden Fahrt mit feinem Staub durchdraengt, der sich mit Schweiss und allem anderen, was hier so in der Luft liegt, zu einem braunen Dreck vermischt hatte. Ich war daher froh, um 10 Uhr in der etwas kleineren der beiden Touristenstaedte in Tanzanias Norden anzukommen und fand nach einer Absage, derzeit gibt es eine Polizeikonferenz in Moshi, aufgrund derer viele preiswerte Hotels ausgebucht sind, ein vernuenftiges und nicht teures Hotel. Meine erste warme Dusche seit ca. 2 Wochen war danach sehr angenehm.
Die Stadt ist eigentlich nur als Ausgangspunkt fuer Trekkingtouren auf den weniger als 50 Kilometer von hier entfernten Mount Kilimanjaro bekannt, doch ist die Stadt nicht uninteressant und auf den vielen Maerkten im und um das Zentrum habe ich noch ein Paar Schuhe gekauft, die ihre 20 EUR hoffentlich auch wert sind. Das zeigt sich aber bei Schuhen leider immer erst spaeter. Der Kilimanjaro selbst war leider den ganzen Tag hinter dichten Wolken versteckt, die auch am Abend den Blick auf den hoechsten Berg Afrikas nicht freigaben.
Waehrend ich den ganzen Tag nicht viel anderes getan habe, als per Pedes die Stadt zu erkunden, ein paar Postkarten zu kaufen und alle 2 Stunden irgendwo ein Soda zu trinken, das ist der hiesige Name fuer Cola, Fanta und Co., war mein Mittagessen ein kleines Highlight. Nicht dass es sonderlich gut geschmeckt haette, doch nachdem ich in den letzten Wochen fast immer Reis hatte, bestellte ich heute Ugali, also Papp. Hier gibt es dazu etwas Sauce und etwas Fleisch und sogar ein wenig Gemuese und nachher eine Banane. Unschlagbar war aber reis. Umgerechnet habe ich lediglich 52 Cent dafuer bezahlt.
Am Nachmittag ging ich noch zum Ostende der Stadt, wo es eine unspektakulaere Kathedrale gibt. Interessanter war eine schneeweisse Moschee, die ich auf dem Weg dorthin passierte. Dass es in der Stadt, zumindest in der Hauptsaison, viele Touristen gibt, zeigt sich vor Allem an den jungen Maennern, von denen man staendig angesprochen wird und die alle einen kleinen lokalen Marktstand mit original afrikanischen Mitbringseln haben. Dem ersten folgte ich noch, doch das Angebot waren nur die ueblichen Holzschnitzereien aus Zimbabwe, erweitert um ein paar T-Shirts mit dem Kilimanjaro als Motiv.
Morgen werde ich weiterreisen. Nur gut 70 Kilometer nordoestlich von hier befindet sich die kenianisch-tanzanische Grenze und nach 17 Tagen in Tanzania werde ich dieses Land verlassen.
Ich habe mit Mbeya, Dar es Salam, Stone Town und Kendwa auf Zanzibar, Dodoma, Mwanza und Moshi viel vom Land gesehen. Hinzu kommen ungezaehlte Stunden in Bussen und Zuegen, waehrend derer ich mal mehr und mal weniger gut die Landschaft Tanzanias geniessen konnte. Ich habe die Southern Highlands gesehen, war an einem der drei grossen Seen, die Tanzania von seinen suedlichen und westlichen Nachbarlaendern abgrenzen, war in der offiziellen und der tatsaechlichen Hauptstadt und letztlich auch noch im Norden, am Fusse des Kilimanjaro.
Tanzania ist ein abwechslungsreiches Land, das mit wunderschoenen Landschaften und den genialen Straenden von Zanzibar punkten kann. Wieder einmal habe ich die Hauptattraktion, naemlich die Nationalparks im Norden, allen voran der Serengeti Nationalpark, nicht zu sehen bekommen, da auch in Tanzania ein solcher Trip auf eigene Faust unmoeglich oder extrem teuer und eine Tour sehr teuer ist. Trotzdem bin ich vom Land begeistert und muss sogar sagen, dass es in Afrika das bislang schoenste Land ist.
Von den Staedten hat mir uebrigens Mwanza am Lake Victoria besser gefallen, als alle anderen, auch besser als Dar es Salam.
Zudem ist Tanzania mit seiner sehr relaxten Swahili Kultur, einer Mischung aus schwarzafrikanischer, arabischer und etwas indischer Mentalitaet, aber dennoch etwas gelassener, ein angenehmes Land. Zwar wird man in den touristischen Zentren zum Teil sehr haeufig von Touts angesprochen, die einem Alles Moegliche verkaufen wollen, doch abseits von Dar, Zanzibar und Arusha ist das anders und man kann die Ruhe eines gemuetlichen Landes in vollen Zuegen geniessen.
Preislich ist Tanzania deutlich guenstiger als die Laender des suedlichen Afrika. Warum das so ist, kann ich mir nicht erklaeren. Der Liter Benzin kostet hier ziemlich genau einen USD, doch ist das Reisen viel guenstiger als in Zambia oder Namibia und ohnehin als in Suedafrika, wobei man dort fuers Geld auch eine andere Qualitaet bekommt. Auch Unterkuenfte kann man in kleinen Orten fuer 2 bis 3 EUR finden und die Ausleihe eines Fahrrades in Mbeya war nahezu kostenlos.
Das Reisen kann wegen der ungenuegenden Infrastruktur allerdings eine echte Belastungsprobe sein. Das ist in Zambia vielleicht genau so, dort habe ich fuer die kritischen Strecken jedoch ein Zugticket bekommen und bin nicht abseits der Hauptverbindungsstrassen des Landes gereist. Obwohl ich 50 USD Visakosten verrechnen musste und ich mit Zanzibar das teuerste Ziel in Tanzania bereist habe, bin ich mit meinem Tagesbudget von 20 EUR ausgekommen.
Doch Tanzania ist ein armes Land. Zwar sind die Staedte relativ ordentlich und wirken verhaeltnismaessig reich, doch ein Grossteil der Landbevoelkerung kann man aus den vorbeifahrenden Bussen beim Tragen von Wassereimern ueber lange Strecken beobachten, da fliessend Wasser oder Strom in Doerfern ein aeusserst seltener Luxus sind.
Angenehm ist jedoch, dass wie in bislang jedem muslimisch gepragten Land die persoenliche Sicherheit wesentlich grosser ist, als im suedlichen Afrika. Zwar geht es an Busbahnhoefen immer etwas harsch zu, doch in keiner Stadt und an keinem Strand ist es ein Problem, auch nachts allein unterwegs zu sein.
Und die indischen Einfluesse sorgen dafuer, dass es in Tanzania nicht nur schoene Tempel gibt, vor allem die kulinarische Vielfalt wird so vergroessert. Und indisch ist eigentlich immer gut. Zudem bestaetigt sich etwas, dass ich schon des oefteren festgestellt habe. Ausserhalb Indiens sind die Inder, die man auf der Welt trifft, die zuvorkommendsten Menschen, die es gibt. Seltsam ist, dass man die Einfluesse der deutschen und britischen Kolonialgeschichte kaum sieht. Vor Allem im Vergleich zu Namibia ist das extrem. Vielleicht ist es aber genau das, was Tanzania so unverwechselbar und schoen macht!
Fast vergessen haette ich noch 2 kleine Details ueber Tanzania. Nichts Wichtiges, aber kleine Dinge, die einem ueberall auffallen: Big Mamas und chinesischer Kitsch! Die Big Mama sind fuellige in traditionelle Kleidung gehuellte aeltere Frauen, die staendig in der ersten Reihe der dalla dallas sitzen und den armen jungen Maennern oder Frauen neben ihnen kaum Platz zum Atmen lassen. Diese werden vom Personal der Minibusse immer mindestens so zuvorkommend behandelt, wie wir mzungus (Weisse). Massige Maenner findet man hingegen sehr selten. Die Mamas aendern uebrigens gern ihren Namen. Wenn der aelteste Sohn erwachsen ist und man sich fuer ihn nicht schaemen muss, dann heissen sie nur noch Mama Irgendwie (Name des Sohns) und werden auch von allen nur Mama genannt.
Dann gibt es noch eine Geschichte aus der Wirtschaft. So wie ich es verstanden habe, wollte keine europaeische oder andere westliche Regierung den Bau der Eisenbahnlinie nach Zambia finanzieren. Daher wurde die Strecke von den Chinesen gebaut, was man an den chinesischen Schriftzeichen an der Strecke und in den Zuegen gut sehen kann. Im Gegenzug musste sich aber Tanzania verpflichten, ein Freihandelsabkommen mit China zu unterzeichnen. Das Resultat sieht man an jedem Busbahnhof und in allen Strassen. Junge Verkaeufer, die oft nur mit 2 oder 3 Artikeln, manchmal aber auch mit einer riesigen Tafel umher laufen, bieten fast ausschliesslich Kitsch an. Plastikspielzeug, Kaemme, Guertel und natuerlich billige Uhren kann man daher ueberall in Tanzania kaufen. Und die Ware kommt zu einem, so dass man die Auswahl auch dann hat, wenn man gern darauf verzichten wuerde.
|



>> alle Fotos 16.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 17.05.2005, Mombasa (Kenia) |
Nach einem gemuetlichen Fruehstueck in Moshi checkte ich aus und ging zum Busbahnhof. Leider gibt es von hier nur einen Direktbus nach Mombasa, der aber bereits um 7.30 losgefahren war, zu einer Zeit, als ich unterwegs auf einen kleinen Huegel in der Stadt war, um erfolglos zu versuchen, einen Blick auf den Kilimanjaro zu erhaschen.
Ich stieg daher in ein dalla dalla zur Grenze, wo ich meinen Stempel bekam und dann gut 3 Kilometer bis zur kenianischen Grenzstation zurueckzulegen hatte. Dafuer nahm ich ein Fahrradtaxi, das es immerhin ein paar Meter weit schaffte, bevor der Hinterreifen platzte und ich neben dem Fahrer die staubige Piste bis zum Haeuschen mit der kenianischen Flagge auf dem Dach herlief. Das kenianische Visum haette ich auch in EUR bezahlen koennen, sodass ich 50 meiner 80 Dollar umsonst getauscht haette. Daher zahlte ich in der (noch) internationalsten Waehrung.
Vom Ruecksitz des dalla dalla und spaeter auf der Staubpiste im Niemandsland gelang es mir dann doch noch, den Kilimanjaro zu sehen, da es inzwischen klarer geworden war und ich machte natuerlich auch Fotos von dem Vulkan. Neben der guten Sicht brachte die ungehindert scheinende Sonne aber auch Hitze mit sich. Doch so nah am Aequator musste ich das ja erwarten. Etwas komisch ist es da nur, auf dem Berg im Hintergrund Schnee zu sehen, aber die Spitze liegt auch 5.500 Meter hoeher als der Grenzposten.
An der Grenze fand ich auf Anhieb einen Bus nach Mombasa, machte aber auch gleich meine erste schlechte und meine erste gute Erfahrung mit dem touristisch sehr erschlossenen Kenia. Ich hatte einen Preis von rund 500 kenianischen Shilling erwartet, was 5 EUR entspraeche. Der Ticketverkaeufer wollte 1.000 haben, liess sich aber dann auf 800 ein, wenn ich das Gepaeck mit in den Bus naehme. Ich akzeptierte dies und bekam auch einen entsprechenden Beleg.
Der Fahrer, der mitbekommen hatte, dass wir diskutiert hatten, liess sich dann meinen Fahrschein zeigen, sah den Preis und sagte ihn laut, was im Bus Empoerung und Unverstaendnis hervorrief. Er sagte mir, dass dies nicht fair sei, da alle anderen lediglich 300 Shilling fuer die Fahrt bezahlten und stellte den Ticketverkaeufer zur Rede. Dieser zeigte sich etwas einsichtig und gab mir zumindest 300 Shilling zurueck, womit ich noch immer mehr bezahlt habe als andere, doch dafuer hatte er mir auch einen Platz ganz vorn neben dem Fahrer organisiert, mit fantastischer Sicht auf die miserablen kenianischen Strassen.
Die Fahrt dauerte wegen des schlechten Zustands der augenscheinlich von den Briten waehrend der Kolonialzeit gebauten und seitdem kaum ausgebesserten Strassen bis zum Sonnenuntergang, als wir ueber einen Damm auf Mombasa Island fuhren. Bis zum naechsten preiswerten empfohlenen Hotel war es recht weit, weshalb ich einem Tout folgte, der mir ein nettes Zimmer mit Bad fuer 600 Shilling versprach. Das Zimmer ist tatsaechlich nicht schlecht und der Preis beinhaltet das Fruehstueck.
Der junge Mann fuehrte mich dann auch noch zu einem Safari Unternehmen, da ich wissen wollte, ob ich etwas Guenstigeres faende, als das nach vielen Mailanfragen guenstigste Angebot von 320 USD aus Nairobi. Mir wurde die gleiche 4 Tage 3 Naechte Masai Mara und Lake Nakuru Safari fuer 260 Dollar angeboten, weshalb ich mein Einverstaendnis erklaerte, zumal mein Guidebook sagt, dass man 60 bis 80 USD pro Tag rechnen muesse, um eine Safari zu bekommen. Von den umgerechnet 203 EUR zahlte ich 100 an und versprach morgen vorbei zu kommen, um den Ablaufplan und die Visitenkarte von Humphrey zu bekommen.
Mombasa ist eine interessante Stadt und die erste echte Grossstadt, mit viel Verkehr, einigen hohen Gebaeuden im Zentrum und einer Grossstadtatmosphaere, seitdem ich Dar es Salem verlassen habe. Obwohl es weniger Einwohner hat als Dar und auch nicht de-facto-Hauptstadt ist, wirkt Mombasa geschaeftiger. Ein interessantes Detail sind die vielen Internet-Restaurants, also Restaurants oder Imbissstuben, die ein Internetcafe integriert haben und daher deutlich laenger geoeffnet sind, als jene in den mesten anderen Staeden, in denen ich in den letzten Wochen gewesen bin. |




>> alle Fotos 17.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 18.05.2005, Mombasa (Kenia) |
Auf der Dachterasse des Glory Bed and Breakfast hatte ich mein heutiges Fruehstueck, von der man die Haile Selassie Road, eine der Hauptstrassen Mombasas, wunderbar ueberblicken kann.
Als naechstes musste ich eine Bank finden, wobei ich Wert darauf legte, dass es dort moeglich ist, mit EC Karte abzuheben, da man so doch mehr Kostenkontrolle hat. Mir gelang dies nach einer langen Tour durch die Neustadt, bei der ich unter anderem an den Tusks, riesigen ueber die Strasse gekreuzten Elefantenzaehnen aus Stahl, die so etwas wie das Wahrzeichen der Stadt geworden sind, vorbei kam. Ich hob genuegend Geld ab, um hoffentlich bis zum Ablug aus Nairobi am Freitag morgen in einer Woche auszukommen.
Bei der Safaricompany bekam ich weder meinen Ablaufplan noch eine Visitenkarte, doch verkaufte mir Humphrey auch noch ein Busticket nach Nairobi, das ich allerdings ebenfalls erst morgen abholen kann. Ich erkundete noch etwas mehr die Neustadt, wobei Nairobi eine eher hektische Stadt ist, die zwar einige imposante hohe Gebaeude hat, doch insgesamt ist die Stadt eher dreckig und die Luft nicht gut, zumal ueber diese auch das viele Gehupe der Autos und der nervigen Taxis uebertragen wird. Ich fand auch einen sehr guenstigen lokalen Markt mit Holzschnitzereien und kleinen afrikanischen Puppen.
Dann machte ich mich auf in die Altstadt, wo ich zunaechst das Fort Jesus besichtigte. 1593 von den Portugiesen erbaut, war dies Fort Schauplatz vieler Kriege und Belagerungen, da Mombasa, wie noch heute, einer der wichtigsten Haefen an der Ostkueste Afrikas war, die eine wichtige Station fuer den Handel mit Indien war. So bekriegten sich die omanischen Araber und die Portugiesen oft und das Fort wechselte 9 Mal den Besitzer und nie friedlich.
Das Fort sieht von Aussen zwar etwas heruntergekommen aus, doch ist es noch immer sehr interessant und man kann die Geschichte der ostafrikanischen Kueste hier foermlich atmen. Besonders der herrliche Blick ueber die Altstadt und auf das Meer und das nahegelegene Festland sind wunderschoen. Zudem gibt es ein nicht uninteressantes Museum und man kann in einigen Raeumen alte Wandmalereien begutachten. Wie in der noerdlich davon gelegenen Altstadt erhoehte sich auch im Fort die Anzahl an Mzungus schlagartig. Grund dafuer waren die vor dem Eingang geparkten Minibusse, die die Touristen aus den Strandresorts noerdlich und suedlich der Stadt herankarren, um neben der Safari und dem Strandurlaub auch das Urlauberbeduerfnis nach etwas Kultur zu stillen.
Die Altstadt erinnert ein wenig an jene von Zanzibar. Auch hier gibt es viele enge Gassen, die Tueren der aelteren Haeuser haben kunstvoll geschnitzte Verzierungen und an der Hauptstrasse, bzw. dem Hauptweg durch die Altstadt gibt es Souvenirlaeden und junge Maenner, die dafuer sorgen, dass man bloss keinen davon verpasst. In der Altstadt ass ich mit Verspaetung auch zu Mittag, wobei ich Gewuerzreis bekam und auch hier gibt es die leckeren frisch gepressten Saefte zu guenstigen Preisen. Zuweilen kam ich mir heute vor, wie bei einem Schuetzenfest ohne Alkohol. Man laeuft viel umher, um an verschiedensten Staenden immer wieder anzuhalten und den Durst mit einem kalten Getraenk zu stillen.
Nachdem ich zwischenzeitlich noch zurueck in der Neustadt war, ging ich am spaeten Nachmittag nochmal zurueck in die Altstadt, da ich versehentlich den alten Hafen ausgelassen hatte, in dem Holzboote festmachen, die Waren von und nach Zanzibar sowie an andere nicht zu weit entfernte Ziele transportieren. Dort traf ich einen Tout, der mir von einem Brunnen erzaehlte, den Vasco da Gama bei seinem ersten Besuch hier bauen liess. Er fuehrte mich zu dem Brunnen, der nur wenige Meter vom Meer entfernt liegt, dennoch aber seit Jahrhunderten erfrischend kuehles Suesswasser spendet. Die tief ueber der Altstadt stehende Sonne zwang mich noch zu ein paar weiteren Fotos.
Am Abend legte ich meine erste lange Internetsession ein, um Berichte zu schreiben. Zum Glueck ist der Communicator erst 2 Wochen vor dem Ende meiner Reise kaputt gegangen. Denn erst wenn er nicht mehr funktioniert stellt man fest, wie praktisch dies Geraet ist. Auf dem Rueckweg durfte ich noch ein weiteres Bild von Mombasa kennen lernen. Da es recht spaet war, lagen unter den Dachvorspruengen vieler Haeuser der Haile Selassie Street viele schlafende Obdachlose jeglichen Alters. Dies Bild war weit interessanter, als das Museum im Fort Jesus, doch einen Fotoapparat auspacken und das fotografieren, hielt ich fuer unangebracht. |





>> alle Fotos 18.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 19.05.2005, Mombasa (Kenia) |
Auch heute habe ich bei einem morgendlichen Besuch meines Safariunternehmens keine Unterlagen bekommen, da Humphrey nicht dort war. Noch ist es jedoch nicht an der Zeit, sich Sorgen zu machen. Eher kann man sehen, dass hier jeder Shilling in die Safari investiert wird, nicht in Publicityaktivitaeten wie Visitenkarten, Booklets oder Ablaufplaene. Auch das Buero selbst macht diesen Eindruck. Humphrey scheint aber ein Profi zu sein, der das Ganze schon seit Jahren macht und in der Nebensaison ist es nunmal nicht immer moeglich von einem Tag auf den anderen Alles zu organisieren.
Ich machte mich daher auf nach Tiwi Beach, einem der Straende suedlich von Mombasa, der noch nicht komplett in der Hand grosser Reiseveranstalter ist. Meinen Rucksack liess ich im Hotel in Mombasa, wo ich fuer Freitag auch nochmal ein Zimmer reservierte. Fuer 10 Shilling fuhr ich zur Likoni Ferry mit der man von der Insel ans Festland uebersetzen kann und ein Matatu zur Tiwi Junction kostet 40 Shilling. Die Faehrueberfahrt war interessant. Fuer Personen ist die Faehre kostenlos und so stroemten Hunderte Menschen von der im 5-Minuten-Takt pendelnden Faehre, als diese anlegte. Zudem kaempften die Besitzer und Anschiebehelfer mit hoch beladenen Karren, um diese die Steigung von der Faehre zur Strasse hinaufzuziehen.
Von der Kreuzung bei Tiwi zum Strand sind es nur 2 Kilometer, doch sowohl mein Lonely Planet als auch die wartenden Taxifahrer warnten mich, diesen Weg zu Fuss zu gehen, da es dort immer wieder Ueberfaelle gaebe. Das Taxi war mit 250 Shiling daher auch entsprechend teuer, doch hatte ich kaum eine andere Wahl. Mario, ein Beachboy, fuhr dann ebenfalls im Taxi mit.
Da man in der Twinga Lodge nicht bereit war, mir einen Off-Season-Discount zu geben, ging ich, mit der Hilfe von Mario, ein Stueck weiter den Strand entlang, wo ich im Cliff Beach Villa ein geraeumiges Einzelzimmer mit Meerblick und eigenem Bad fuer 650 statt der 800 Shilling in der Twinga Lodge bekam. Natuerlich wartete draussen Mario auf mich und da ich nicht unfreundlich sein wollte, liess ich ihn mich begleiten. Obwohl es noch recht frueh war, gingen wir in ein lokales Restaurant, das eigentlich nur ein paar ueberdachte Pfaehle und eine Kochstelle am Boden ist. Dort bekamen wir fuer 50 Shilling pro Person ein leckeres Mittagessen, wobei ich fuer beide bezahlte, da ich ohne Marios Hilfe diesen Ort nie gefunden haette.
Wir gingen weiter am Strand entlang bis nach einer guten halben Stunde Diani Beach erreicht war. Dies ist ein Resortdorf, in dem viele grosse Reiseunternehmen ihre Hotels haben, an dessen Strandabschnitten Thomas Cook, Neckermann Reisen und weitere, vor allem italienische Namen an den Flaggenmasten wehen. An einem Kiosk in Diani kam dann ein Polizist auf Mario zu und nahm in mit auf eine abseits gelegene Bank. Ich trank ein Krest Bitter Lemon.
Als ich fragte, was das Problem sei, sagte mir der Polizist, dass das, was Mario hier mache, Guiding sei, womit er im Prinzip nicht unrecht hatte. Dafuer brauche man in Kenia aber eine Lizenz, die er nicht hat. Daher muesse man ihn mitnehmen. Mario fragte mich noch, ob ich ihm 500 Shilling leihen koenne, da die Touristenpolizei eigentlich nur Geld wolle, ihm mit Geld zu helfen lehnte ich jedoch strikt ab. Ich erklaerte dem Polizisten lediglich, dass Mario mich nur begleitet habe und nicht umhergefuehrt, dieser sah das jedoch etwas anders. So war das Einzige, was ich noch fuer ihn tun konnte, im Hotel bescheid zu sagen, dass die Polizei ihn mitgenommen hat.
Genau das tat ich, als ich wieder zurueck in Tiwi war. Danach legte ich mich an den Strand und ging etwas schwimmen. Spaeter liess ich mich von einem anderen Beachboy zu einer Schnorcheltour ueberreden, die 3 EUR kostete. Wir konnten zu der kleinen Lagune laufen, da inzwischen Niedrigwasser war. Waehrend der einen Stunde im Wasser sahen wir einige interessante Fische, Muscheln und sonstige Meerestiere, doch war es insgesamt nicht viel mehr als den geforderten Preis wert.
Obwohl ich der einzige Gast in meiner Unterkunft bin, gibt es hier inklusive dem Wachpersonal 5 Leute, die staendig anwesend sind. Einer davon besetzte die Kueche, als ich mich zum Abendessen dort einfand, da es zu dunkel war, irgendwo anders hin zu gehen. Das Essen war gut, doch fuer 350 Shilling haette man etwas mehr erwarten koennen. Trotzdem werde ich wohl auch das morgige Fruehstueck hier zu mir nehmen, da die Mitarbeiter sehr freundlich sind und ich auch keine gute Alternative kenne. |




>> alle Fotos 19.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 20.05.2005, Mombasa (Kenia) |
Ich schlief heute wie geplant recht lange, bevor ich aus meiner Huette mit Meerblick heraus ging und auf kein Meer blickte. Dies hatte sich weit zurueck gezogen. Schuld daran ist der Mond. So musste ich das Schwimmen vor dem Fruehstueck streichen, da ich nicht ueber das komplette Riff bis zum Wasser laufen wollte.
Die Bezahlung meines Fruehstuecks wurde sehr kompliziert. Wie vermutet ass ich im Hotel und wie gestern hatte man kein Wechselgeld auf meinen 1.000 Shilling Schein, was umgerechnet 10 EUR sind. Gestern konnten wir das Wechselgeld vom Zimmer mit dem nachherigen Abendessen verrechnen, das ging heute jedoch nicht. Also gingen wir zur benachbarten Twinga Lodge, doch weder dort noch im angeschlossenen Kiosk konnte man einen derart grossen Schein klein machen. So musste ein anderer Mitarbeiter zum Nachbarn im Norden gehen, bis ich mein Wechselgeld zurueck bekam. Um fuer die letzten 50 Shilling, auch die befanden sich nicht in der Kasse, nicht nochmal zur Twinga Lodge laufen zu muessen, trank ich noch ein Krest Lemon, bevor ich mich verabschiedete.
Es fing dann sogar an zu nieseln, weshalb ich direkt am Strand entlang nach Diani Beach ging. Das ist zwar gute 30 Fussminuten entfernt, doch von dort fahren matatus ab, sodass ich mir das teure Taxi fuer den Rueckweg gespart hatte. Ueber den interessanten Markt von Ukunda, den ich mir ansah, da ich hier das Transportmittel wechseln musste, fuhr ich zurueck zur Likoni Ferry, von dessen Anlegestelle auf Mombasa Island ich zurueck in die Innenstadt life.
Ein weiteres mal besuchte ich die Safari Company, diesmal war Humphrey wieder nicht da, hatte aber fuer mich sowohl den Ablaufplan, als auch seine Visitenkarte und das Busticket fuer mich hinterlegt. Zudem liess er mir ausrichten, dass er mich morgen frueh beim Hotel abholen wuerde, damit ich den Abfahrtsort des Busses nicht wuerde suchen muessen. Wie ich vermutete, ein Profi!
Den Nachmittag und Abend verbrachte ich fast komplett in einem Internetcafe, da das Schreiben von Berichten sehr erschwert wird, wenn man vom grossen attraktiven Angebot des www staendig abgelenkt wird. Dann traf ich noch Ceci und spaeter Judith im Messenger, was mich auch gewisse Zeit kostete. Doch letztendlich konnte ich viel schreiben und habe sogar meinen Fotoindex auf aktuellsten Stand gebracht.
Unterbrochen habe ich die insgesamt 5stuendige Session nur zu einem sehr guten Abendessen im Splendid View Café. Da ich an der Kueste bin, wollte ich nochmal Fisch essen, da es aber auch hier in Mombasa eine grosse indische Gemeinde und in Folge dessen sehr leckere Indische Gerichte gab, einigte ich mich auf ein Fischcurry mit Chapati und dazu einen frischen Mangosaft. Qualitaet und Preis stimmten und ich wurde gut satt. Bevor ich ins Hotel zurueck ging, packte mich der Durst und ich suchte noch meine Lieblings Total Tankstelle in Mombasa auf, wo ich, was sonst, ein Krest Lemon zu mir nahm. |

>> alle Fotos 20.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 21.05.2005, Nairobi (Kenia) |
Ich bin in der Hauptstadt Kenias angekommen. Und Nairobi macht bislang einen deutlich besseren Eindruck auf mich, als sein vorauseilender Ruf als “Nairobberie” dies vermuten liesse.
Humphrey war puenktlich um 8 Uhr am Hotel und brachte mich zum Wartesaal der Msafiri Busgesellschaft, wo ich mir bis zur Abfahrt um 9 Uhr Kindersendungen ansehen musste. Er sagte mir noch, dass ich in Nairobi von seiner Kollegin Nanci abgeholt werde, die mich dann zu einem Hotel begleiten wuerde und mit mir die Bezahlung des Restbetrages fuer die Safari arragieren wuerde.
Kaum hatten wir das Zentrum Mombasas verlassen, wurde die Strasse kritisch. Zwar fuhren wir zwischendurch auf guten Stuecken und andere Stuecke wurden gerade erneuert, dass aber eine der wichtigsten Verbindungsstrassen Ostafrikas generell in einem derart schlechten Zustand ist, hatte ich nicht erwartet. Zumal anders als in Westtanzania nicht geringes Verkehrsaufkommen einen Ausbau unnoetig macht. Ein aelterer Fahrgast bestaetigte auch meinen Eindruck, indem er erzaehlte, dass das letzte Stueck Strasse nach Nairobi seit 1955 bestehe und seitdem nicht veraendert wurde.
Der Bus war jedoch bequem genug, um die Fahrt relativ angenehm zu gestalten, wenn man sich auch erst daran gewoehnen muss, dass alle paar Kilometer Autos oder Trucks im Graben liegen, da es auf der schmalen Strasse unmoeglich ist, den abenteuerlichen Fahrkuensten vieler Trucker und Busfahrer auszuweichen. Zu Mittag hielten wir an einem nichtssagenden Strassenrestaurant und fast puenktlich gegen 17.20 Uhr kamen wir in Nairobi an.
Nanci wartete bereits auf mich und brachte mich ins Downtown Hotel, das mit 1.000 Shilling zwar sehr teuer ist, doch ist es zentral gelegen und zudem in einem der sichereren Bereiche der Stadt. Ich hatte auch einfach keine Lust, mit meinem Gepaeck weiter durch dei Stadt zu laufen, um am Ende 5 EUR zu sparen aber in einer Gegend zu wohnen, in der ich Abends ein Taxi nehmen muss, um nochmal in die Innenstadt zu gehen..
Bei einem ersten Gang durch die Stadt war ich positiv ueberrascht. Viele moderne Gebaeude und relativ saubere Strassen praegen das Bild. Auf Anhieb fand ich 2 oder 3 gemuetliche Bars, die Fernseher oder grosse Bildschirme haben, auf denen ich morgen den GP von Monaco sehen kann. Diese Bars zu finden war heute auch nicht schwer, da sich mit zunehmender Zeit immer mehr Menschen auf den Straßen vor diesen Cafes versammelten, um das englische FA Cup Finale mitzuverfolgen. Ab der Verlaengerung gesellte ich mich auch dazu und im Anschluss an den Sieg von Jens Lehmann gegen ManU feierten Hunderte Menschen auf den Strassen, als haette Kenia sich gerade fuer die Fussball WM qualifiziert.
Zuvor fand ich in einer schmalen Gasse ein kleines lokales Restaurant, das ich den suedafrikanischen Fastfoodketten wie Nandos oder Steers vorzog. Auch das Buero von Egypt Air, wo ich meinen Flug nach Kairo bestaetigen muss, da dieser ausserhalb meines Weltreisetickets ist, fand ich. Doch war es bereits geschlossen und bleibt das es auch morgigen Sonntag. Wenn Montag dort wieder auf gemacht wird, bin ich bereits auf dem Weg zum Masai Mara Game Reserve. Ich hoffe, dass es genuegt am Abend vor dem Abflug am Flughafen zu sein. Ansonsten muss ich eben noch ein oder zwei Tage hier bleiben und habe dann weniger Zeit in Aegypten. Wobei das unguenstig waere, da ich mir auf der heutigen Fahrt schon einen so schoenen Plan fuer die 5 Tage Stoppover gemacht habe.
|

>> alle Fotos 21.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 22.05.2005, Nairobi (Kenia) |
Heute ist Sonntag. Und das bedeutet generell 2 Dinge: Zum einen kein Stress und zum Zweiten Formel 1. Dementsprechend war mein heutiger Tag nicht aufregend, anders als der GP von Monaco in Monte Carlo.
Ich stand nicht spaet auf und gab hoffentlich das letzte mal meine Waesche im Hotel zur Reinigung ab. Ich wollte eigentlich eine Waescherei finden, von denen es hier in Nairobi einige gibt, doch Sonntags sind diese geschlossen. Das Ergebnis war wie in Mwanza eher ernuechternd. Obwohl der Preis recht hoch war, wurde die Waesche wieder nicht richtig sauber, immerhin riecht sie wieder frisch.
Ich fruehstueckte in dem gleichen Restaurant, in dem ich bereits gestern zu Abend gegessen hatte. Danach lief ich nochmal durch die Stadt, hauptsaechlich in dem Bereich noerdlich der Kenyatta Avenue. Heute konnte ich schon hier ein anderes Bild von Nairobi entdecken. Die kleineren Strassen der Stadt sind schon nicht mehr so sauber und auch die Sicherheit wirkte dort eher wie Nairobi von anderen beschrieben wurde, als wie mein gestriger Eindruck es mir vormachte.
Suedlich der Kenyatta Avenue, wo ich spaeter hin ging, sieht dies wieder anders aus. Dort befindet sich das Regierungsviertel mit einigen beeindruckenden Bauten, die so gar nicht in das sonstige Bild passen, das Kenia ausserhalb der Innenstaedte von Mombasa und Nairobi hinterlaesst. Schoen sind aber sowohl der Regierungspalast, als auch das Kenyatta Mausoleum sowie die Kathdrale der Stadt. Begrenzt wird dieser Bereich nach Westen vom sehr gepflegten Central Park, an dem ich ebenfalls vorbeikam.
Dort traf ich einen aelteren Mann, der sich mir als Lehrer vorstellte und der mir viele Fragen ueber Deutschland und andere afrikanische Laender stellte. Wir gingen immer weiter, waehrend er seine Fragen stellte und bewegten uns immer weiter Richtung Osten. Der Osten der Innenstadt gilt als besonders heisses Pflaster und tatsaechlich fuehlte ich mich trotz Begleitung hier sehr unwohl. In einem Restaurant unterhielten wir uns weiter und im Laufe des Gespraechs erklaerte er mir, dass er Fluechtling aus Uganda sei und auf dem Weg nach Zambia, dass er jedoch Geld benoetige um die Tickets fuer die Weiterreise zu bezahlen. Er bekam kein Geld und unser Gespraech war dann recht schnell zu Ende. Aehnlich schnell bewegte ich mich dann, meinen Rucksack fest unter beide Arme geklemmt, wieder gen Westen um heile aus dem Bereich oestlich der Tom Mboya Street heraus zu kommen. Das dortige Nairobi war schon mit Downtown Johannesburg vergleichbar.
Ich ging noch einmal kurz ins Hotel, bevor ich ins Hooters aufbrach, um den GP von Monaco in Monte Carlo zu sehen. Haette Montoya nicht zurecht die Strafe fuer die voellig ueberfluessige Ausbremsaktion im freien Training bekommen, haette McLaren einen Doppelsieg feiern koennen, so waren es immerhin 14 WM Punkte. Ferrari hat 3 weitere Punkte gehamstert und Williams ein besseres Ergebnis geholt, als es mit dem Auto zu erwarten war. Das Hooters ist eine nette Sportsbar mit 2 grossen Bildschirmen. Zudem ist das Bier dort mit einem EUR fuer 0,6 Liter fuer eine so westliche Bar ziemlich guenstig.
Nach dem Rennen telefonierte ich nochmal kurz mit Mombasa, da sich eigentlich heute jemand von der Safaricompany mit mir zwecks Bezahlung des Restbetrages mit mir in Verbindung setzen wollte. Dies passierte nicht, da ich gestern bereits gesagt hatte, dass ich keine Zeit fuer eine gefuehrte City Tour haette und so werden wir alles weitere morgen frueh klaren, bevor ich dann zu meiner 4 Tage 3 Naechte Masai Mara und Lake Nakuru Safari starte.
Bei meiner abendlichen Internetsession durfte ich feststellen, dass ich einen weiteren T.C.A. internen Tagessieg beim Tippspiel auf www.tip-f1.net geholt und damit in der Gesamtwertung wieder die Fuehrung erobert habe. Im Internetcafe habe ich auch noch meine Fotos gebrannt und den Fotoindex auf den aktuellen Stand gebracht. Ausserdem habe ich im Hotel beide Akkus meiner Digitalkamera voll aufgeladen, um fuer die Safari geruestet zu sein. |



>> alle Fotos 22.05.2005 |
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 23.05.2005, Masai Mara Safari (Kenia) |
Wie verabredet, wenn man von der ueblichen Verspaetung absieht, wurde ich heute morgen um 9 Uhr an meinem Hotel abgeholt. Zunaechst fuhren wir ins Buero von Sana Highlands Expeditions, wo ich nach den ebenfalls ueblichen Wechselgeldproblemen meine Rechnung begleichen konnte. Es dauerte dann noch eine gewisse Zeit, bis wir losfuhren, wobei ich ueberrascht war, dass ich bis dahin der einzige Gast war. Nach einem kurzen Stopp an einem Markt um Lebensmittel zu kaufen fuhren wir in den Nordwesten der Stadt, eine sehr noble Gegend, wo wir Christian und Christine abholten, womit das Trio fuer die Safari komplett war.
Die beiden kommen aus Deutschland und sind hier in Kenia, weil Christine ein 2 ½ monatiges Praktikum in einer Apotheke gemacht hat. Nun reisen sie und Christian, ein Freund von ihr der zu Besuch da ist, die letzten 4 Wochen des Aufenthalts durch Kenia und Tanzania, wobei die Safari der Beginn der Reise ist.
Nach weniger als 2 Stunden Fahrt hielten wir an einem Aussichtspunkt, von dem man einen grandiosen Blick auf das Rift Valley hat. Ausser Fotos machen konnte man dort natuerlich auch Souvenirs kaufen. Der naechste Halt war in Narok, der letzten groesseren Stadt vor dem Masai Mara Game Reserve. Dort hatten wir unser Mittagessen und tankten den Safari Minivan mit ausklappbarem Dach noch einmal voll. Da Masai Mara ein Game Reserve und kein National Park ist, gibt es keine Zaeune und so kann man bereits viele Kilometer vor dem eigentlichen Park die ersten Zebras, Giraffen und Antilopen sehen.
Gegen 16 Uhr kamen wir in unserem Camp ein Stueck ausserhalb des Haupttores an und konnten unsere Zelte beziehen. Das Camp ist sehr gemuetlich mit stabilen, grossen Zelten, die permanent aufgebaut sind und in denen es sogar Betten mit Matratze gibt. Die Toiletten und Duschen haben schon bessere Tage gesehen, doch immerhin gibt es fliessend Wasser und sogar die Moeglichkeit, dies zu heizen.
Um 17 Uhr wurde das Dach des Van hochgeklappt und wir starteten zu unserem ersten Game Drive. Zwar gibt es direkt hinter dem Tor bereits erste Herden von Zebras und Antilopen, doch insgesamt waren doch weniger Tiere zu sehen, als ich nach Allem, was ich gelesen habe, erwartet hatte. Es ist eben noch nicht Hauptsaison und daher hat die Migration noch nicht begonnen, waehrend derer Millionen von Tieren aus der suedlich gelegenen Serengeti hierher stroemen. Der Serengeti National Park liegt jedoch in Tanzania, sodass man nicht einfach dorthin fahren kann.
Trotzdem wartete schon nach wenigen Minuten das erste Highlight auf uns. Auf einer kleinen Wiese lagen zwei Geparden unter einem Baum, die sich nicht wegbewegten, selbst als zwischendurch gleich 6 Safarifahrzeuge drumherum standen. Dies ist hier kein Zufall. Damit man den Touristen so viel wie moeglich bieten kann, sind alle Autos mit Funkgeraeten ausgestattet und nachdem man Tiere, die man entdeckt hat, eine gewisse Zeit ungestoert beobachtet hat, funkt man den Fund durch und in so seltenen Faellen wie Geparden dauert es dann nicht lange, bis andere Fahrzeuge eintreffen. Die Geparden wirkten nicht aggressiv, sondern sehr muede. Trotzdem waren sie sehr faszinierend.
Wir sahen auch viele Giraffen und mehrere verschiedene Antilopen wie Wildbeest (Gnu), Thomson Gazellen und Impalas. Auch einige Bueffel liefen umher, womit ich ein weiteres Tier der sog. “Big Five” gesehen habe. Ein weiteres folgte kurz spaeter, als Charles, unser Guide, im hohen Gras eine Gruppe von 5 Loewen entdeckte, an die wir ebenfalls bis auf wenige Meter heran fahren konnten. Auch die Loewen bewegten sich nur sporadisch, da sie wohl heute bereits etwas gejagt und aufgegessen hatten.
Um zum Camp zurueck zu fahren, mussten wir einen kleinen Bach durchqueren, der allerdings extrem sandig war. Wir blieben stecken und leider versuchte Charles, rueckwaerts zurueck zu fahren, was uns in eine aussichtslose Position brachte. Uns von vorn herauszuziehen, waere recht einfach gewesen, nach hinten war es aber nahezu unmoeglich. Doch waren keine anderen Autos auf der anderen Seite und wir blockierten den einzigen Ueberweg ueber den Bach.
5 oder 6 Versuche dauerte es, bis endlich alle Beteiligten einsahen, dass es so keinen Sinn machen wuerde. Wir konnten in der Zeit pratischer Weise einen gigantischen Sonnenuntergang beobachten, bei dem der gesamte Horizont zu vergluehen schien. Wir fuhren dann mit einer indischen Familie die in Lagos lebt, zurueck in den Ort ausserhalb des Parks und konnten im Camp direkt zu Abend essen. Dies war nicht nur reichhaltig, sondern auch geschmacklich sehr gut. Es gab Fisch mit Reis und danach einen Fruechteteller und natuerlich Tee. |
|
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 24.05.2005, Masai Mara Safari (Kenia) |
Heute wurden wir um 8 Uhr geweckt, nachdem ich die Nacht im Zelt sehr gut geschlafen habe. Obwohl wir drei die einzigen Gaeste im Camp sind, wurde fuer uns in aller Frueh Feuer unterm Boiler gemacht, damit wir warm duschen konnten, was nicht verkehrt war, da es hier in 1.700 Meter Hoehe morgens doch recht kuehl ist. Dafuer wird es tagsueber nicht zu heiss, was ich dem Klima an der Kueste gegenueber bevorzuge. Auch das Fruehstueck war nicht schlecht, wenn ich mich auch nur langsam daran gewoehnen kann, dass die Englaender den Afrikanern scheinbar nicht viel beigebracht haben, ausser auf der falschen Strassenseite herumzufahren und Wuerstchen und Bohnen zum Fruehstueck zu essen.
Noch gestern Abend spaet ist Charles mit einem Kollegen zusammen in einem Allrad in den Park gefahren und die beiden haben den Van nach vorne heraus aus dem Sand gezogen. Danach hat er ihn scheinbar noch gewaschen, zumindest war das Auto von Innen und Aussen wieder blitzblank. Unser heutiger Game Drive dauerte von 8.30 Uhr morgens bis 16 Uhr am Nachmittag, wobei wir im Park unter einem Baum unser Mittagessen aus einem reichhaltigen Lunchpaket zu uns nahmen.
Wiederum sahen wir in der Naehe des Eingangstores die beiden Geparden, die heute von weniger Autos belagert wurden als gestern. Im weiteren Verlauf sahen wir neben den ueblichen Verdaechtigen wie Giraffen, Zebras und Antilopen, heute allerdings auch Topis und Waterbucks, auch eine Hyaene und ein paar Warzenschweine. An einem Fluss, in dessen Naehe wir unsere Mittagspause hatten, sahen wir auch eine grosse Herde Flusspferde, die zum Teil sogar am Ufer standen und somit mehr als nur ein paar Augen und ein grosser runder Ruecken zu sehen war. Die Krokodile konnte man nur sehr schwer erkennen, da sie in grosser Entfernung am Ufer lagen.
Ein Highlight auf dem Rueckweg war eine Gruppe von 4 hungrigen Loewen, die mal nicht faul im Gras lagen, sondern sehr aufmerksam eine Herde Zebras und Antilopen beobachteten. Die zwei maennlichen und 2 weiblichen Loewen schlichen dabei auch um unser Auto herum, weshalb ich einige sehr schoene Fotos machen konnte. Obwohl wir eine ganze Weile warteten, konnten sich die Loewen nicht zu einem Angriff entscheiden, da sich die Beute auf einer zu offenen Wiese aufhielt und man die Loewen dort zu frueh haette sehen koennen.
Nach der Wildbeobachtungsfahrt sahen wir uns ein Dorf der in diesem Teil Kenias heimischen Masai an, die als einziger Stamm noch ihre traditionelle Lebensweise und ihre traditionelle Kleidung beibehalten haben. Diese Lebensweise bedeutet, dass ca. 150 Menschen und 300-400 Tiere in einem runden Dorf zusammenleben. Die Huetten der Familien sind klein und dunkel, im gesamten Dorf stinkt es und es liegt ueberall Tiermist herum. Weniger traditionell aber sehr typisch fuer Kenia war der abschliessende Besuch des Souvenirmarktes, wo handgemachte Arbeiten angeboten wurden, die genau so aussehen, wie in allen anderen Souveniershops des Landes. Der Besuch war zwar recht interessant, 10 EUR “Eintritt”, die natuerlich an die gesamte Community gehen, war die einstuendige Fuehrung jedoch nicht wert. Nahezu unverschaemt fand ich, dass der junge Masai der uns fuehrte, letztendlich auch noch nach einem Trinkgeld dafuer fragte, dass er uns noch die 500 Meter bis zurueck ins Camp begleitet hat.
Nach dem Abendessen, das einmal mehr fantastisch war, sassen Christine, Christian und ich noch zusammen im ueberdachten Essbereich, wo Charles uns spaeter Gesellschaft leistete und wir uns noch lange unterhielten. |
|
| ^ nach oben |
| Reisetagebuch - 25.05.2005, Masai Mara Safari (Kenia) |
Heute mussten wir frueh aufstehen, da wir eine Fahrt noch vor dem Fruehstueck auf dem Programm hatten. Puenktlich um 6 Uhr mussten wir im Auto sitzen, was sogar gelang. Es war zu dieser Zeit noch dunkel. Da wir ausser den seltenen Leoparden und Elefanten Alles gesehen hatten, fuhren wir zuegig durch den Park, um zu der Gegend zu gelangen, in der man mit der hoechsten Wahrscheinlichkeit zumindest Elefanten wuerde sehen koennen.
Einziges neues Tier am heutigen Tag, neben den Elefanten, die wir noch in grosser Anzahl finden sollten, war ein Schackal, der jedoch so scheu war, dass man ihn nur kurz hat sehen koennen. Der erste Elefant, den wir sahen, trottete weit entfernt an einem Huegel entlang und war zudem allein unterwegs, weshalb wir gar nicht erst versuchten, dort hin zu fahren.
Dann stand ploetzlich eine ganze Elefantenfamilie mit einem geschaetzt erst 3 Wochen alten Jungen vor uns. Die Dickhaeter bewegten sich sogar in unsere Richtung und wir konnten auch von den Elephanten Nahaufnahmen machen, wobei die Mutter mit dem Baby immer etwas entfernter war. Nachher sahen wir noch weitere Gruppen von Elefanten, der Leopard, den wir uns noch erhofft hatten, blieb Masai Mara uns jedoch schuldig.
Ohnehin muss man nach der letzten Fahrt sagen, dass im Park relativ wenig Tiere zu sehen gewesen sind. Zwar haben wir viele verschiedene Arten gesehen, die riesigen Herden, fuer die der Park bekannt ist, gibt es zu dieser Jahreszeit allerdings nicht. Die Tiere die man sieht, konnten wir allerdings aus unglaublicher Naehe betrachten, weshalb man nach 3 langen Wildlife Fahrten hier ein positives Fazit ziehen kann.
Im Camp waren wir erst wieder um 9.30 Uhr. Wir fruehstueckten dann und danach wurde ich zu einem anderen Camp gebracht, wo ich auf eine Gruppe warten musste, die noch laenger unterwegs war, um Elefanten zu sehen. Charles fuhr danach mit Christine und Christian zurueck nach Nairobi, da fuer die beiden die Safari nach 3 Tagen zu Ende war. Als die dreikoepfige Gruppe aus zwei US-Amerikanern und einer Kanadierin, die alle hier ein Voluntariat machen, von ihrer Fahrt zurueck war und gefruehstueckt hatte, fuhren wir los nach Nakuru. Es war bereits nach 11 Uhr als wir das Dorf verliessen, in dem gerade der woechentliche Markt stattfand, bei dem die Masai ihre Tiere mit anderen Staemmen gegen Obst, Gemuese und Getreide tauschen.
In Narok hielten wir zum Tanken und Fuesse vertreten an und Ben, unser Guide in dieser neuen Gruppe traf dann eine Fehlentscheidung, als er beschloss, den direkten Weg von Narok durch das Rift Valley Gebirge nach Nakuru am gleichnamigen See auszuprobieren. Nach 2 Stunden mussten wir umdrehen, da der einsetzende Nieselregen die Strasse unpassierbar machte. So waren wir um 16 Uhr wieder in Narok und kamen erst um 20.30 Uhr in der Stadt Nakuru an, wo wir in ein gutes Hotel eincheckten. In dem Hotel assen wir auch zu Abend. Danach begann das Champions League Endspiel AC Milan gegen Liverpool in Istanbul.
Da ich sehr muede war und es zur Halbzeit bereits 3:0 fuer die haushoch ueberlegenen Favoriten aus Mailand stand, ging zur Pause ins Bett. |
|
| ^ nach oben |
|